Bővebb ismertető
I.
Die mächtigen Kastanienbäume, die das barocke Herrenhaus der Pernwalds umstanden, warfen dunkelgrüne Schatten auf die im traditionellen Schönbrunnergelb getünchten Mauern. Der rosa und weiße Phlox zu beiden Seiten der Auffahrt verströmte seinen Duft in der Hitze des Spätnachmittags. Die Schönheit seines Besitzes stimmte Florian von Pernwald melancholisch. Wie lange würde er ihn noch halten können? Ihn fröstelte trotz der Wärme. Vielleicht war auch seine schlcchte Gesundheit schuld daran, daß er sich so bedrückt fühlte. Der Arzt hatte ihm das Rauchen verboten, üppiges Essen, den Alkohol. »Sie sind jetzt siebenundfünfzig, Herr Baron«, hatte er gesagt, »und mit Ihrer Angina pectoris können Sie auch achtzig werden, wenn Sie sich schonen. Aber keine Überanstrengung, keine Aufregungen, keine seelische Belastung, wenn ich bitten darf]«
Das ist leichter geraten als befolgt, dachte Florian. In den schlaflosen Nächten lag ihm beklemmende Angst auf der Brust, das Herz galoppierte zwischen den Rippen. Wo war seine Lebenszuversicht geblieben? Sein Leichtsinn? Noch vor einem Jahr hatte er die umwälzenden Neuerungen des beginnenden zwanzigsten Jahrhunderts mit Passion verfolgt. Seit er krank geworden war, blickte er düster in die Zukunft. Die politische Situation hatte sich verschlechtert. Er traute dem Frieden nicht. Der Kaiser war alt, und der Thronfolger rasselte mit dem Säbel. Jeder Schnupfen, jeder Nieser des Kaisers konnte den fragilen Thron ins Wanken bringen. Wenn Franz Josef starb, starb auch die Monarchie. Der radikale Nationalismus der Völker Österreich-Ungarns wurde nur noch durch die legendäre Vatergestalt des Kaisers in Schach gehalten. Der Thronfolger war nicht der Mann, diplomatisch zu handeln, kleine Zugeständnisse zu machen, um das große Ganze zu erhalten. Es war schon so: wenn Franz Josef die Augen für immer schlösse.