Bővebb ismertető
VOM BAUEN MIT HOLZJeder Werkstoff hat seinen besonderen Gestaltungswert, seinen ihm eigentümlichen Klang. Bei modernen Eisen-und Betonbauten glaubt man die federnde Spannung dieser Stoffe zu spüren, Glas hat wunderbare Reize spiegelnder Klarheit, eine Ziegelwand erfreut durch die saubere Ordnung ihrer Schichten, durch den Eindruck gediegener Sicherheit. Das Organ zur Wahrnehmung dieser Eigenheiten ist bei den einzelnen Menschen verschieden. Um die Gestaltungswerte ganz zu empfinden und auszuschöpfen, bedarf es oftmals einer guten Schulung der Sinne, einer geistigen Lenkung. Den Gestaltungswert des Holzes zu verspüren, den Ton dieses Werkstoffes aufzunehmen, bedarf es !edoch keines Umweges über den Verstand.Holz ist der unmittelbarste Baustoff, der sozusagen auf geradem Wege unser Gefühl erreicht. Seine Kraft und seine Zartheit sind jedem spürbar, ohne künstlerische Schulung, ohne sonderliche architektonische Wertbegriffe. Noch in dem letzten rauhen Brett wissen wir die Kraft des Waldes. Die Spuren der Jahre und Gezeiten trägt dieser Werkstoff in feinen Linien und Zeichnungen in sich, welche einladen, uns mit ihm schützend und wärmend zu umgeben.Bei einer so großen Skala der Wirkung und des inneren Wertes wird auch deutlich, daß der Baustoff Holz, der älteste Baustoff, doch zugleich ein sehr moderner Baustoff ist. Seine technische Verwendbarkeit, seine Anpassungsfähigkeit an die verschiedenen baulichen Forderungen ist ungeheuer groß. Wohl kein anderes Baumaterial bietet dem Architekten so viele Möglichkeiten zur Flächengestaltung und Differenzierung. Erinnert sei nur an die kontrastierende Wirkung von getöntem Holzwerk und hellem Putz oder senkrechter und horizontaler Schalung. Der Bauherr, welcher ein Holzhaus vorzieht, ist sich dieser Gegebenheiten meist auch bewußt, denn er möchte vor allem ein Holzhaus haben, weil es weich in der Landschaft steht und er sich darin behaglich fühlt. Wenn wir unsere alten Holzbauten betrachten, die Jahrhunderte überdauert haben, so bewundern wir heute noch ihre handwerklich hervorragende Durchbildung. Es wird uns jedoch zugleich auch bewußt, daß unsere Altvorderen nicht mit Finanzierungs- oder Materialschwierigkeiten zu kämpfen hatten. Man baute eben damals nicht nach statischen Grundsätzen, sondern auf Grund traditionsgebundener Überlieferungen, was eine starke überdimensionierung des Holzwerkes zur Folge hatte.Der neuzeitliche Holzhausbau unterscheidet sich jedoch wesentlich von den altüberlieferten Holzbauweisen. Man bemüht sich heute im Holzbau, vor allem - analog wie im Massivbau - die Festigkeit und Wärmedämmfähigkeit des Baustoffes logisch auszunutzen. Das heißt, daß die Dimensionen der tragenden Elemente nach statischen Gesichtspunkten festgelegt werden und man bestrebt ist, durch Verwendung hochwertiger Isolationsmittel für Wände und Decken, den Holzverbrauch.unter Anwendung gewisser Sicherheitsfaktoren und ohne Vernachlässigung der architektonischen Gestaltung, auf das notwendige Maß zu reduzieren. Holz ist ein Baustoff, der sich maschinell in jeder Weise leicht und rationell bearbeiten läßt. Es ist daher kein Zufall, daß in diesem Buch neben dem ortsfesten Fachwerkbau oder der Gemischtbauweise auch das vorgefertigte Haus zu Wort kommt. Die anteiligen Lohnkosten eines gewöhnlichen Bauvorhabens betragen in der Regel etwa 50% der reinen Baukosten. Die Holzhausindustrie ist deshalb bestrebt, die eigentliche Fertigung der Bauelemente maschinell in der Fabrik vorzunehmen, so daß auf der Baustelle außer den Nebenarbeiten lediglich der Zusammenbau der Einzelelemente zu erfolgen hat.Es wird den Leser interessieren, daß nach einer neueren Statistik in Nordamerika rund 70Millionen Menschen in Holzhäusern wohnen, wovon nahezu die Hälfte aus vorgefertigten Elementen erbaut wurde. Bei einem derartigen kontinuierlichen Absatz wirkt sich natürlich eine Fließbandfertigung preislich äußerst günstig aus. Das Fehlen dieser Voraussetzung ist der Grund, weshalb wir den ausländischen Vorsprung noch nicht aufholen konnten. Im Gegensatz zu Finnland, in welchem Land über 80 Holzbaufirmen nach vier genormten Konstruktionsprinzipien arbeiten, gibt es in Deutschland viele Systeme von Wand- oder sonstigen Konstruktionselementen. Die verschiedenen Typen bedienen sich ungeachtet ihrer sonstigen konstruktiven Eigenheiten ausschließlich des Tafelbaues. Bei dieser industriellen Form des Holzbaues werden außer den sonstigen Bauelementen die Außen- und Innenwände aus einer Anzahl genormter Tafeln gebildet, in welche Türen und Fenster meist gleich eingelassen sind.