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Vorwort
Wenn die Kirchengeschichte ihre großen Abschnitte in den Spaltungen findet, die im Lauf von bald zwei Jahrtausenden die Christenheit zerteilten, dann darf man wohl behaupten, in unserem für die Sache des Glaubens so dunkel scheinenden Jahrhundert sei diese Geschichte auf eine sehr viel positivere Weise in ein neues Stadium getreten: Gegenüber den tief eingewurzelten Trennungen hat sich allenthalben die Bewegung der Vereinigung erhoben. Die Sehnsucht nach der vollen Einheit derer, die durch den Glauben an Jesus Christus miteinander verbunden sind, hat das Handeln und Denken der einzelnen christlichen Gemeinschaften wohl noch nie so unmittelbar und so kraftvoll bestimmt wie heute. Man bemüht sich, das Wort vom Balken im eigenen Auge, den wir allzu gern vergessen, wo wir uns groß über den Splitter im Auge des Bruders entrüsten (Mt 7, 3—5), endlich auch im Gespräch zwischen den christlichen Brüdern anzunehmen und nicht mehr bloß nach der Schuld des andern zu fahnden, sondern zuallererst das eigene Gewissen zu erforschen. So ist auch das theologische Gesprädi miteinander sachlicher und ebendann christlicher geworden: Es geht nicht mehr einfach um die Apologie des je Eigenen, sondern um das Hören auf die Wahrheit, die mir gerade auch im andern entgegentreten kann. Die liturgische Bewegung, der Umgang mit der Heiligen Schrift und die Erforschung der Kirchengeschichte sind wohl die augenfälligsten Beispiele, an denen die Fruchtbarkeit dieses Weges deuthch wird, der nicht gegenseitige Überredung meint, nicht freundliche Kom-