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LEBEN AUS DER MITTE
Der wache Christ unserer Zeit verspürt eine Sehnsucht nach innerer Tiefe und persönlicher Gotteserfahrung. Ein bloßes Glaubenswissen, ein rein äußeres Mitfeiern der Liturgie oder ein routinemäßiges mündliches Gebet genügen ihm nicht, denn das Herz kann dabei nicht mitschwingen und das echte Er-leben fehlt. Diese Tatsache erklärt den bei vielen Gläubigen vorhandenen Wunsch, der oberflächlichen Äußerlichkeit des Alltags zu entfliehen und in die Tiefe des eigenen Wesens, ja in die Tiefe, Weite und Größe Gottes einzugehen, kurz: der Christ von heute will «in der Tiefe und aus der Tiefe leben» (K.Tilman). In dieser Tiefe möchte er der wahren Mitte innewerden, den Vollsinn seines Christseins erfahren, und zwar nicht um seines eigenen Heiles willen, sondern um ein für die Kirche und die Welt fruchtbares Leben zu führen, um mit seinem ganzen Wesen «da» zu sein für den Ganz-anderen - Gott - und für die anderen, seine Mitmenschen.
CHRISTUS, DIE MITTE
Die nachkonziliare Spiritualität ist durch starke und lebendige Christozentrik gekennzeichnet: Christus ist die Mitte und der Vollsinn unserer christlichen Existenz. Paulus wird nicht müde, es immer wieder zu sagen, daß wir «in Christus» leben und sind. Christus ist nicht nur darum Herzstück und Mittelpunkt unseres Seins, weil uns in ihm das unüberbietbare Vorbild echten Mensch-Seins geschenkt ist, sondern er ist