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PROLOG
Brabant1926
Der Hund hatte den ganzen Vormittag über gebellt. Sein regelmäßiges, schrilles Kläffen hallte durch das stille Haus. Er stand mitten in dem kleinen Garten, schaute zu den verschlossenen Fensterläden vor Mathildes Zimmer hinauf und bellte.
Monsieur Thibaud ließ seine Zeitung sinken, die er zu lesen vorgegeben hatte, und blickte wütend seine Frau an. »Kann man denn nicht etwas unternehmen mit diesem Hund?« Madame Thibaud seufzte und machte eine fahrige Handbewegung. »Er vermißt Mathilde. Minou ist sehr klug.« »Auf jeden Fall geht es nicht an, daß er den ganzen Tag diesen Lärm macht. Berthe soll ihn ruhighalten!« Mit diesen Worten nahm Monsieur Thibaud wieder Zuflucht hinter den großen Blättern seiner Zeitung.
Für eine Weile herrschte Stille. Der Hund schien sich beruhigt zu haben. Madame Thibaud ging zum Fenster. »Ich hätte nie gedacht, daß Mathilde mir so fehlen würde«, sagte sie. »Ohne sie ist das Haus wie ausgestorben. Wenn wenigstens Angele -«
Ihr Mann senkte die Zeitung. »Ich verbiete dir, diesen Namen zu erwähnen!« »Aber —«
»Ich verbiete es! Daß ausgerechnet sie so - so -« Es entstand eine Pause, weil Monsieur Thibaud nach einem Wort suchte, das stark genug war, um seiner Meinung über seine älteste Tochter Ausdruck zu geben. »- so heimtückisch ist! So durch und durch heimtückisch. Als ob wir nicht schon genug Sorgen in diesem Haus hätten! Mathilde hat es gut, glaub mir.« Madame Thibaud warf ihrem Mann einen vorwurfsvollen Blick zu. »Ich meine noch immer, daß sie es besser hätte treffen können, wenn wir nur gewartet hätten. Der Sohn eines Landnotars ist schließlich nichts Besonderes.« »Man muß realistisch sein. Mathilde ist keine Schönheit.« »Aber jung. Dreiundzwanzig ist jung, da kann ein Mädchen noch warten. Ich meine, wir hätten die Dinge ein wenig hinauszögern sollen. Schließlich waren die Malines sehr begehrlich - sie hätten schon gewartet.«
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