Bővebb ismertető
Von einem »Wandel zum Schlechten« war die Rede,
von einer sich auftuenden »gefährlichen Kluft«, so-
gar vom »offenen Bruch«: Häufiger und gereizter als
jemals zuvor wurden im weltpolitischen Krisenjahr
1980 der Zusammenhalt der westlichen Allianz be-
schworen und die Beziehungen zwischen den USA
und ihren europäischen Verbündeten als notleidend
beklagt. Besonders getrübt, so hieß es, seien das
deutsch-amerikanische Verhältnis und das zwischen
US-Präsident Carter und Bundeskanzler Schmidt
(Foto). Manches davon klang übertrieben und war
erkennbar auch vom Wahlkampf diesseits und jen-
seits des Atlantiks bestimmt. Dabei schien weitge-
hend verdrängt, daß sich die westliche Gemein-
schaft stets als Bündnis souveräner Staaten ver-
standen hat, die bei allem Konsens im Grundsätzli-
chen durchaus verschieden gelagerte Interessen
haben. Daß diese bei wachsender Konfrontation
zwischen den Großmächten deutlicher artikuliert
würden als zu Zeiten kontinuierlicher Ost-West-Ent-
spannung, war zu erwarten, und das erklärt auch,
warum es im atlantischen Bündnis im Gefolge der
Doppelkrise um die amerikanischen Geiseln im Iran
und die sowjetische Intervention in Afghanistan in
der Tat wechselseitig zu Reibungen und Irritationen
kam: Bei den Amerikanern machte sich eine Ver-
stimmung über die vermeintliche Unzuverlässigkeit
ihrer europäischen Partner breit. Sie vermißten Soli-
darität und Standfestigkeit und mißtrauten dem gele-
gentlich eigenwilligen Kurs ihrer Verbündeten, dem
sogar eine Tendenz zu »Euro-Neutralismus« und
»Selbst-Finnlandisierung« unterstellt wurde. Aber
auch die Europäer glaubten Grund zur Klage zu
haben: Sie bezweifelten die Führungsqualifikation
von Präsident Carter, kritisierten die »Hemdsärme-
ligkeit« seiner Berater und beschwerten sich über
mangelhafte Konsultation. Der Aufrüstung der NATO
und den amerikanischen Strafaktionen gegenüber
der UdSSR und dem Iran schlössen sie sich nur
zögernd, teilweise gar nicht an; wichtiger als Wirt-
schaftssanktionen und Olympiaboykott war ihnen,
gerade in Spannungszeiten mit dem Osten im Ge-
spräch zu bleiben. Große Verärgerung löste denn
auch ein als »erstaunlich« empfundener Brief von
Carter aus, der den deutschen Kanzler kurz vor
dessen Moskaureise im Juni davor warnte, im Kreml
eigene Ideen zum Thema Atomrüstung in Europa zu
erörtern. Schmidt und Carter sprachen sich hierüber
schließlich aus und erklärten danach »alle Mißver-
ständnisse und Unklarheiten« für ausgeräumt. Et-
was später wurde dann der Kanzler noch einmal
deutlich: Die Bundesrepublik sei heute, anders als
vor etlichen Jahren, kein »abhängiger Klient« mehr,
sondern ein »gewichtiger Partner« der USA; es sei
»zerstörerischer Unfug«, dieses qualitativ veränderte
Verhältnis als Amerikafeindlichkeit mißzuverstehen.