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Zu den áltcsten Kostbarkeiten im Hildesheimer DomschaÍ3 gehört ein silbernes kreuzförmiges Enkolpion, bekannt unter dem Namen Jerusa-lemer Kreuz". Diese Bezeichnung geht auf eine örtliche Überlieferung zu-rück, nach welcher der Jerusalemer Patriarch Johann V. einst Kari dem Grófién dieses Kapselreliquiar geschenkt habén soll, das dann Ludwig der Fromme der Hildesheimer Kirche zugeeignet habé. Der Gegenstand iselbst mit seinen zweifelsfrei slavischen Inschriften beweist alléin schon die Unglaubwürdigkeit dieser Tradition. Weder Herkunft noch Altér dieser Überlieferung lassen sich náher bestimmen. Der Name Jerusalemer Kreuz" findet sich erst in modernen Beschreibungen des Hildesheimer Domschatjes und ist in álterer Zeit nicht nachweisbar. Die Verknüpfung mit dem Jerusalemer Patriarchen des 8. Jahrhunderts bringt zwar ein im Innern des Kreuzes lieg'ender Pergamentzettel, auf dem sich ein Ver-zeichnis der Reliquien findet. Der fragliche Passus aber am Schlufi ist von einer anderen, sehr viel spáteren Hand hinzugefügt worden; er stammt von Dr. Johann Michael Kralj aus der ersten Hálfte des vorigen Jahrhunderts, worauf kürzlich schon Konrád Algermissen hingewiesen hatx.So habén dann auch die Beschreibungen des Hildesheimer Domschaljes, in denen sich bislang die einzigen ausführlichen Angaben über dieses Kunstwerk innerhalb des deutschen Schrifttums fanden, dieser Legende keinerlei Bedeutung beigemessen, und dais Kreuz gilt meist als eine ver-mutlich byzantinische oder südslavische Arbeit des hohen Mittelalters, ohne dafi man die Einzelheiten der Inschrift untersucht und náhere Be-gründungen für diese Ansicht gegeben hátte. Um so intensiver hatten sich indessen russische Gelehrte kurz vor dem Ausbruch des ersten Welt-krieges mit diesem Enkolpion bescháftigt. Die Ergebnisse ihrer For-1 K. Algermissen im Nachwort zum Abdruck der neuen Abhandlung von A. M. Ammann in: Unsere Diözese in Vergangenheit und Gegenwart". Z. d. V. f. Heimatkunde im Bistum Hildesheim Bd. 24, 1955, S. 98.