Bővebb ismertető
Herr Kaufmann und das Christenkreuz
vorwort von rudolf walter
D ie Geschichte muß sich in den frühen fünfziger Jahren zugetragen haben. Ein junger Student, der sich am traditionsreichen Hebrew Union College in Cincinnati/Ohio auf das Rabbinat'rörhereltHeTaiiitrerte dama als Rabbiner einer kleinen jüdischen Gemeinde im amerikanischen Bundesstaat Virginia. Acht Stunden fuhr er mit der Eisenbahn hin, acht Stunden zurück - jedes zweite Wochenende, sechs Jahre lang. Mit der Zeit kannte er jeden Schaffner auf dieser Strecke. Die kleine Gemeinde war dankbar, daß jemand von so weit her kam, um sie zu betreuen. „Wie wunderschön Sie wieder einmal gepredigt haben, Herr Rabbiner", sagten die Leute dann jedesmal an der Tür der Synagoge und wünschten einen guten Sabbat. Der Rabbi-natsstudent im zweiten Jahr - er war in Deutschland geboren und hatte vorher in England studiert - war sehr beeindruckt von diesen Komplimenten. Zumindest die ersten Male. Bis er merkte, daß es sich damit ähnlich verhielt, wie wenn sich zwei Amerikaner mit „How do you do?" begrüßen. Keiner erwartet auf diese Frage eine Antwort, und eine aufrichtige schon gar nicht. Und wenn jemand in Virginia sagt: „I very much enjoyed your sermon", dann kann das durchaus auch heißen: „Gott sei Dank, daß Ihre Predigt endlich vorbei ist." Auch an diesem Freitagabend stellten sich die Gottesdienstbesucher wieder in die Reihe, schüttelten dem Rabbinatsstudenten die Hand und sagten: „Wie wunderbar Sie gepredigt haben, Herr Rabbiner!" Bis der alte Herr Kaufmann kam. Der schüttelte ihm nicht die Hand. Er