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EINLEITUNG
Die Frage nach dem kirchlichen Amt im Neuen Testament, seiner Gestalt, seinem Ursprung und seiner geschichtlichen Entwicklung beschäftigt Exegeten, systematische Theologen und Kirchenrechtler seit dem Ende des 19. Jahrhunderts bis heute mit unvermindertem Interesse. Zahlreiche Untersuchungen galten zunädist dem Problem der frühchristlichen Kirchenverfassung im allgemeinen, ihrer Entwicklung entsprechend den geschichtlich-gesellschaftlichen Bedingungen und der genaueren Identifizierung der darin erfaßbaren Ämter. In den Spätschriften des Neuen Testaments und geschichtlidi gesehen besonders im Übergang vom Urchristentum zur „Alten Kirche" suchte man die Kräfte und Bewegungen zu erkennen, die dann zu der vom monarchischen Episkopat bestimmten, hierarchischen Kirchenordnung des zweiten und dritten Jahrhunderts führten. Im Unterschied zur ausgeprägten Organisationsform der „Alten Kirche" kennzeichnete man diese vorbereitende Entwicklung gerne als „vorkatholisches" Stadium^, wie umgekehrt besonders Rudolf Sohm etwa mit seiner Abhandlung über >Wesen und Ursprung des Katholizismus< (1909) das, was er als katholisches Kirchenrecht und
^ Vgl. etwa den Titel eines Aufsatzes von A. Hilgenfeld, Die vor-katholisdie Verfassung der Christengemeinde außer Palästina, in: Zeit-sdirift für wissensdiaftlidie Theologie 33 (1890) 223—245, sowie A. von Harnadi, Mission und Ausbreitung des Christentums in den ersten drei Jahrhunderten, 1. Bd., Leipzig 1902, 293, und K. Heussi, Kompendium der Kirdiengesdiichte, Tübingen ^^1960, 35—37. Daneben wird, etwa bei Heussi, a. a. O., 23 f., 58—88, vom „Frühkatholizismus" gesprodien, womit zunädist das Stadium zwisdien nadiapostolisdier Kirdie und späterer Reidiskirdie bezeidinet wird, während man heute mit diesem Begriff gerne an „amts-" und „großkirdilidie" Tendenzen in den späteren Sdiriften des Neuen Testaments, besonders in den lukanisdien Sdiriften und den Pastoralbriefen, erinnert, vielfadi nidit ohne abwertende Entgegenstellung zur „Mitte der Sdirift".