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Einleitung
„Jeder, der Johannes Brahms näher gestanden hat, weiß, wie kurz wegwerfend, fast verletzend er von seinen eigenen Werken sprechen konnte; gerade auf diesem Gebiet war es schwerer als sonst, ihn richtig zu verstehen
Diese Bemerkung stammt von Gustav Jenner, Brahms' einzigem Kompositionsschüler. Sie deckt sich mit den Beobachtungen anderer Zeitgenossen, die unverhohlenen Widerwillen feststellten, wenn man Brahms zwang, von seinen Kompositionen zu sprechen.
Zufriedenheit mit sich selbst war ihm fremd, unablässig verglich er sein Schaffen mit den Leistungen seiner Vorgänger. Er hatte sich nach den Kämpfen der Aufstiegszeit zu einem klaren künstlerischen Standpunkt durchgerungen und wußte, was er wollte. Aber er war zugleich pessimistisch, was die Fortdauer seines Lebenswerkes und seinen Nachruhm betraf; im Alter erklärte er einmal, er werde wohl wie Cherubini nur als Hüter einer großen Tradition in die Musikgeschichte eingehen. Auch die Zeitgenossen sahen in ihm den Bewahrer romantischen Musikgeistes, wie wir aus ihren Nachrufen wissen.
Als Brahms im fünfzehnten Lebensjahr stand, nur heimlich komponierte und als Klavierbegabung vor die Öffentlichkeit trat, war Mendelssohn eben erst gestorben, Chopin feierte seine letzten großen Triumphe, Schumann hatte seine Zweite Symphonie geschaffen und Berlioz die „Symphonie fantastique" komponiert und auf einer Deutschlandreise Begeisterung hervorgerufen. Liszt war als Hofkapellmeister nach Weimar gegangen und machte die Goethe-Stadt zur Hochburg der „Neudeutschen