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DIE ECHTE KAMILLE
Wer an einem heiBen Sommertage im Juni oder Juli durch die Felder und Wálder streift, wird sich oft über den aromatischen Duft einer kleinen, gelbweiB blühen-den Pflanze freuen. Wenn wir hier den Graben entlang gehen, an dem wogenden Kornfeld vorbei, über dem der goldene Blütenstaub der Ahren in der Sonne tanzt, treffen wir einen richtigen kleinen Wald dieser Pflanze. Unbehaarte Blátter mit geweihartigen Spitzen gruppieren sich wie befiederte Pfeilenden um den blaB-griinen, zehn bis dreiBig Zentinieter hohen Stengel. Die Blütenköpfchen an kleinen, besonderen Stielen sind zahlreich. Wie weiBe Strahlen umgeben die Rand-blüten den gelben, gewölbten Blütenboden.
Der grüne, gelbgesprenkelte Teppich zu unseren FüBen ládt uns zum Hinlegen ein, und auf den Sonnenstrahlen reitend erforschen unsere Gedanken die Geschichte der Kamille, denn sie ist es, von der wir erzáhlen.
Die Heimat der Kamille, die den lateinischen Namen Matricaria chamomilla L. trágt, sind die Berghánge und die weiten Ebenen Süd- und Osteuropas.
Vor ungefáhr zweitausend Jahren erwáhnten der römische Gelehrte Plinius der Altere in seiner „Natur-geschichte" und der griechische Arzt Dioscorides in seinem Buch „Von der Heilkunde" die kleine Pflanze. Sie gaben ihr den klangvollen Namen Chamaelelonwar, der so viel wie die „würzige Sonne" bedeutet. In den Rezepten des arabischen Arztes Mesue und des Byzan-tiners Alexander Trallianus wurde sie zur Herstellung