Bővebb ismertető
Alle Bildung wächst zunächst in der Kinderstube. Auch die Bildung unserer Klassiker war in den Kinderstuben verwurzelt. Bei Herders, Schillers, Goethes, Kügelgens, Richters wurden die Kinder sorgfältig erzogen und von frühester Kindheit an mit dem Bildungsgut der Zeit in Berührung gebracht.
Jetzt soll das ganze Volk sich bilden, seine Kinder zu gebildeten Menschen erziehen. Wir haben uns vorgenommen, eine gebildete Nation zu werden. Die Erziehung der Kinder in der Familie ist ein wichtiger Schritt auf diesem Wege.
Wir wollen hier den Teil der Erziehung genauer betrachten, der sich in den ersten drei Jahren abspielt.
Im ersten Halbjahr vollziehen wir Erziehung und Pflege in einem Arbeitsgang. Man erzieht den Säugling, indem man ihn regelmäßig anlegt, füttert, sauberhält, badet, sich regelmäßig mit ihm abgibt, ihn bettet, zum Schlafen legt, an die frische Luft bringt. Man verbindet die Beschäftigung mit ihm, die Säuglingsgymnastik, die Abhärtung, die Schulung seiner Sinnesorgane und seines Bewegungsapparates mit den täglichen Pflegemaßnahmen. Erst nach einigen Monaten spalten sich Erziehung und Pflege und Ernährung auch äußerlich, bleiben aber noch auf weite Strecken eng verbunden.
Die Säuglings- und Kleinkinderpflege schien ein rein kinderärztliches Problem zu sein. Sie ist aber vom ersten Monat an eine erzieherische Aufgabe.
Auf der anderen Seite erschien den Pädagogen die Erziehung nur ein Problem ihres Faches, der Erziehungslehre und der Psychologie, zu sein; die Gesundheitspflege überließen sie den Eltern und Ärzten allein.
Bald erwies sich aber, daß beides nicht zu trennen ist. Ernährung und Pflege, Abhärtung und Sauberkeit, Haltung im Körpersinn und im sittlichen Bereich: mithin Gesundheit und Erziehung sind innig miteinander verbunden. Das bleibt auch dann so, wenn die Erziehung in die Selbsterziehung der Reifenden und Gereiften übergeht. Das ist zwar eine sehr alte Weisheit; sie ist mehrere tausend Jahre alt, wurde aber zeitweilig ein wenig vom Pulverstaub der Fachwissenschaften überdeckt. Jetzt muß sie frisch aufpoliert werden.
Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als die neuennvickelte Fachrichtung „Kinderheilkunde" ihren Angriff auf die Übersterblichkeit der Säuglinge und Kleinkinder begann, fand sie eine Säuglingssterblichkeit von 25 Prozent und darüber hinaus eine Sterblichkeit an Diphtherie, Scharlach und Masern von noch einmal 10 bis 15 Prozent vor. Die ersten Kinderärzte schenkten deshalb ihr Augenmerk der Senkung der Säuglingssterblichkeit und der Bekämpfung der ansteckenden Kinderkrankheiten. Dabei schien es so, als gehörte die gesamte Pflege und Ernährung der Säuglinge allein in die Hände der Kinderärzte. Die Not war so groß, und die Verbesserung der Ernährung und Pflege so dringlich, daß man an Erziehung in den ersten zwölf Monaten zunächst gar nicht dachte.
Die Kinderheilkunde hat inzwischen ihren welthistorischen Sieg erfochten. Das