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Barbara Noack: Ich über michIch bin am 28. 9. 24 als bemerkenswert ernsthafte Tochter humorvoller Eltern in Berlin geboren. Bereits im Grundschulalter schuf ich meinen ersten, 16 Heftseiten starken Roman Hulda fressen die Wölfe, ein Dienstmädchendrama, in dem der Graf Joachim von Harenfeld in Liebe zu der schönen Magd entbrannte. Wie nicht anders zu erwarten, war seine Mutter, die Gräfin, gegen diese Verbindung. Darum flohen die beiden im tiefen Winter Richtung Braunschweig, wobei sie von Wölfen verfolgt wurden. Ansich sollten die Wölfe das brave Kutschpferd fressen. Weil mir aber das Roß zu leid tat, mußte Hulda dran glauben. Graf Joachim, der ihr zu Hilfe eilen wollte, brach dabei im Eise ein und versank tödlich, um das trostlose Ende der Geschichte nicht zu gefährden. Ich schenkte meinen Eltern das Werk zu Weihnachten, selbst illustriert. Meine Mutter las es meinem Vater mit tränenerstickter Stimme vor, auch mein Vater schluchzte. Ich war sehr stolz auf die Wirkung meines Dramas, bis ich begriff, daß meine Eltern nicht weinten, sondern Tränen wieherten. Das kränkte. Von Stund an kriegten diese unseriösen Menschen nichts mehr von mir zu lesen.Im Laufe der Jahre kam ich immer mehr vom Schauerroman ab, das lag am Krieg. Ich schrieb mir eine fröhliche Welt ohne Bomben, in der junge Leute sorglos jung sein durften und nicht den Heldentod sterben mußten, ob sie wollten oder nicht. Meine Tagebuchaufzeichnungen über Kriegs- und Nachkriegszeit wurden später die Grundlage für meine Romane Eine Handvoll Glück und Ein Stück vom Leben.Mein Sprachenstudium an der Universität endete sehr bald in der Munitionsfabrik. In den Nachkriegsjahren versuchte ich mich in etlichen Berufen auch im Malen von kubistischen Flaschen und verhungerten Akten an der Kunstakademie, illustrierte anderer Leute Geschichten, bloß mich selber ließ man nicht als Schriftsteller tätig wer-