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VORWORT
Für alle, die der Musik zugetan sind, ist dieses Buch geschrieben. Es möchte ihnen, die im Konzert und am Lautsprecher den verschiedensten Werken der Tonkunst lauschen, den Blick öffnen für diese seltsam flüchtige Kunst, deren Reich ebenso die grenzenlose Weite des Gefühls wie das strenge Regelgebäude der Wissenschaft umspannt. Zumal für die so oft mißverstandene Tonsprache der Gegenwart, die ja — wie alle Kunst — zugleich Stimme ihrer Zeit und Widerhall der Vergangenheit ist, soll Verständnis geweckt werden, indem die Fäden, die sich vom Heute in das Einst zurückspinnen, aufgezeigt werden. Dabei wird der Wandel des Geistes und der Methoden, wie sie aus den Kunstschöpfungen einer jeden Epoche abzulesen sind, erkennbar, aber auch die Stetigkeit der Entwicklungslinien, die Vergangenheit und Gegenwart miteinander verknüpfen, so da& schließlich jeder im Neuen Vertrautes und Altehrwürdiges wiederzufinden vermag.
Um über den heutigen Entwicklungsstand der Musik gewissenhaft Rechenschaft zu geben, ist die Musikgeschichte von den Anfängen an knapp umrissen, ehe mit Georg Friedrich Händel die Reihe der Einzeldarstellungen beginnt und die vielköpfige Schar der international »tonangebenden' Komponisten von den Tagen Bachs bis zur jüngsten Gegenwart vor Augen führt. Die gebotene Auswahl ist dabei keineswegs mit einer indirekten Beurteilung gleichzusetzen, denn nicht Voreingenommenheit, sondern Verständnis zu schaffen, war die Absicht des Autors. Daher wurden anstelle ,dichterischer Deutungen' meistens objektive Darstellungen des musikalischen Ablaufs einer Komposition gegeben, die in ihrer Sachlichkeit vielleicht karg genannt werden mögen, aber dafür die Phantasie des Hörers nicht ablenken und ihn statt zu gedankenlosem Genießen zur Mitarbeit aufrufen. Denn dem Leser soll nicht ein »gebrauchsfertiges' Urteil vorgelegt werden, sondern er soll die Möglichkeit erhalten, sich sein eigenes Urteil zu bilden. So ist denn jeder der behandelten Musiker und seine Kunst vor dem Hintergrund seiner