Bővebb ismertető
KAPITEL 1
Das ganze so seltsame Abenteuer begann zu einer späten Nachtstunde, als ich in meinem Arbeitszimmer saß und eine Seite der Zeitschrift Life umblätterte.
Auf den ersten Blick schien die Seite nichts zu enthalten, was mich interessieren konnte. Sie zeigte eine Zeichnung von einem Pro eß, der in New York geführt wurde, 560 Kilometer von mir entfernt. Ich war nie in New York gewesen und hatte auch kein Verlangen, je dorthin zu gehen, und wenn schon, dann höchstens, um die Freiheitsstatue zu sehen.
Ich begann, die Seite zu überfliegen. Dabei wurde meine Aufmerksamkeit von den Augen einer der Personen in der Zeichnung gefesselt. Ein Junge. Einer von sieben Jungen, die wegen Mordes vor Gericht standen. Der Zeichner hatte den Ausdruck von Bestürzung, Haß und Verzweiflung in seinen Zügen so meisterhaft eingefangen, daß ich die Zeitschrift noch einmal ganz aufschlug, um mir das Bild genauer anzusehen. Und indem ich es tat, fing ich an zu weinen.
„Was ist nur mit mir los!" sagte ich laut und wischte unwirsch eine Träne weg. Ich betrachtete das Bild noch eingehender. Die Jungen waren alle Teenager. Sie waren Mitglieder einer Bande, die sich die Dragons* nannte. Unter der Zeichnung stand die Geschichte, die berichtete, wie sie in den Highbridge Park in New York gegangen waren und einen fünfzehnjährigen PoKogelähmten namens Michael Farmer brutal angegriffen und getötet hatten. Die sieben Jungen hatten Michael mit ihren Messern siebenmal in den Rücken gestochen und ihm dann mit Armee-Koppeln über den Kopf geschlagen. Beim Weggehen hatten sie sich mit den blutbeschmierten Fingern durchs Haar gestrichen und gesagt: „Den haben wir tüchtig fertig gemacht!"
Die Geschichte widerte mich an. Sie drehte mir den Magen um. In unserem kleinen Bergstädtchen schienen solche Dinge zum Glück unglaublich.
Darum war ich sprachlos, als mir plötzlich der Gedanke in den Kopf sprang — so kristallklar wie von anderswo hergekommen: Geh nach New York und hilf diesen Jungen!
Ich lachte schallend auf. „Ich? Nach New York gehen? Ein Landprediger soll sich in eine Angelegenheit hineinwagen, von der er weniger als nichts versteht?"
Geh nach New York und hilf diesen Jungen! Der Gedanke war noch immer da — so lebhaft wie im ersten Augenblick und offenbar von meinen Gefühlen und Ideen völlig unabhängig.
„Ich wäre ein Narr. Ich verstehe nichts von solchen Burschen. Ich will von ihnen nichts wissen!"
Es hatte keinen Zweck. Der Gedanke wollte nicht weichen. Ich sollte nach New York gehen und überdies sollte ich es sofort tun, solange der Prozeß noch im Gange war.
Um verstehen zu können, wie völlig abwegig solch ein Gedanke mir erschien, muß man zunächst wissen, daß mein Leben, bis ich jene Seite umwandte, im voraus festgelegt war, — festgelegt, aber zufriedenstellend. Die kleine Gebirgsgemeinde, der ich in Philipsburg, Pennsylvanien, diente, war langsam, doch stetig gewachsen. Wir hatten ein neues Kirchengebäude, ein neues Pfarrhaus, eine anschwellende Missionskasse. Ich durfte über unser Wachstum befriedigt sein, denn vier Jahre zuvor, als Gwen und ich zum erstenmal als Kandidaten für die unbesetzte Predigerstelle nach Philipsburg hineinfuhren, besaß die Gemeinde nicht einmal ein eigenes Gebäude. Ihre fünfzig Mitglieder versammelten sich in einem Privathaus, dessen erster Stock als Pfarrwohnung und dessen Erdgeschoß als Versammlungsraum diente.
Als der Gemeindevorstand uns das Haus zeigte, rutschte Gwens Absatz — wie ich mich erinnere — geradewegs durch den Fußboden der „Pfarrwohnung".
„Das muß alles ein bißchen hergerichtet werden", gab eine der Frauen der Gemeinde zu, eine breite, in Baumwolldruck gekleidete Dame. Ihre Hände zeigten um die Knöchel herum kleine, von der Landarbeit mit Schmutz gefüllte Risse. „Wir lassen Sie jetzt allein. Schauen Sie sich nur weiter um."
Und so setzte Gwen ihren Rundgang durch den ersten Stock allein fort. An der Art, wie sie die Türen schloß, erkannte ich, daß sie unglücklich war. Der eigentliche Schlag kam aber erst, als sie in der Küche eine Schublade aufzog. Ich hörte ihren Entsetzensschrei und stürmte hinauf. Sie waren noch da und Icrab-belteh eilig hin und her: sieben oder acht dicke, fette schwarze Kakerlaken.
Gwen knallte das Schubfach zu.
„O Dave, ich könnte es einfach nicht!" sagte sie dem Weinen nahe.
Ohne meine Antwort abzuwarten, rannte sie auf den Flur und mit laut klackenden Absätzen die Treppe hinab. Ich machte dem Vorstand gegenüber eilige Entschuldigungen und folgte Gwen zum Hotel hinüber — dem einzigen Hotel in Philipsburg — wo sie schon mit dem Baby auf mich wartete.
„Es tut mir leid, Lieber", sagte Gwen. „Die Leute sind so nett, aber vor Kakerlaken fürchte ich mich zu Tode."
Sie hatte schon gepackt. Soweit es Gwen betraf, war es offenbar, daß sich Philipsburg, Pennsylvanien, nach einem anderen Kandidaten umsehen mußte.
Aber die Angelegenheit verlief dann doch nicht so. Wir konnten nicht vor Abend gehen, da ich bestimmt worden war, im Sonntagabend-Gottesdienst die Predigt zu halten. Ich erinnere mich nicht, daß es eine gute Predigt gewesen wäre. Doch es mußte etwas daran gewesen sein, was die fünfzig Leute in die-