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V O R W O R TDAS LIEBESPAAR IN DER KUNST! - In unferer Zeit find Bücher, die unbefangen den gegenftändlichen Inhalt eines Kunftwerkes zur Hauptfache machen, etwas verpönt. In weiten Kreifen hat fich die Erkenntnis Bahn gebrochen wovon unfere Väter noch nicht viel ahnten daß erft die Form das Werk zum Kunftwerk mache, und auf diefe Erkenntnis ift man nicht wenig ftolz. Wer fich heute noch naiv von dem Inhalte eines Bildes ergreifen läßt, gilt von vornherein als zurückgeblieben. Der gebildete Kunft* freund fieht an diefem Inhalt fo fchnell wie möglich vorbei, um von der Linie, der Kompofition, der Flächenverteilung zu fprechen. Nun ift gewiß das Mittageffen bei einer Bauernhochzeit und das Abendmahl Chrifti kompofitionell eine verwandte Aufgabe. Und es ift vielleicht ein gutes Erziehungsmittel, dem Betrachter einmal beides nebeneinander zu zeigen und ihn von allem geiftigen Inhalt abfehen zu laffen. Aber wir dürfen doch nur einen Augenblick fo tun, als ob die gemeinfame Kompofitionsidee wirklich die Haupt fache wäre. Das eine Bild wird uns doch wieder lofort, ob wir wollen oder nicht, zur Bauernhochzeit, das andere zum Abend mahl. Und jedes von ihnen entführt den Betrachter in eine andere Welt feelifchen Erlebens.Jene Betrachtung, die prinzipiell von allem Inhaltlichen abfieht und in der wir allerdings viel nachzuholen hatten, fchüttet ein wenig das Kind mit dem Bade aus. Sie ift eine Nachwirkung des Impreffionismus, der ein Element von den dreien bevorzugt hatte, aus denen fich alle Kunftwerke aufbauen: dem Augenfinnlichen, dem SachlichTnhaltlichen und dem Formalen*).*) Vergleiche Max Den, Verfuch einer pfychologifchen Kunltlehre", Stuttgart 1912, wo das Problem des Verhältniffes von Inhalt und Form im Kunftwerke ausführlich behandelt wird.5