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Großmutter Abenthuns Schutzengel
Sebastian Abenthun war einer von den seltenen Narren gewesen, die den Mut haben, in sich selbst das Mittelmäßige 71] sehen und zu belächeln, weshalb er dann auch, fast wie zum Spott gegen sich selbst, eine gänzlich mittelmäßige Form des Abgangs wählte und neben der vorher schon erkalteten Pfeife zufolge eines sanften Herzanfalls nach einigem Widerstand einschlief.
Bei seinem Tod hinterließ er all das, was ihm zu Lebzeiten schon nicht gehört hatte: ein Landhaus, das geschmacklos gebaut war und deswegen von den Bauern, deren Bewertungs Fähigkeit sehr fein ausgeprägt zu sein pflegt, die Villa genannt wurde, eine beinahe leidenschaftslose Frau, die ihren' immer noch schönen Leib auf so seltsame Art zu tragen wußte, daß seine kalte Keuschheit wie ein bereitwilliges Darbieten anzu sehen war, eine achtzehnjährige Tochter mit tintenblauen Augen und kastanienfarbenen, viel zu langen Wimpern sowie ein mühsam erstrittenes Fischrecht an der Scheibacher Ache zwischen Herrgotten und Sankt Cajetan.
Die Villa, dieses Musterstück an Mittelmäßigkeit, hatte er von einem Molkereibesitzer gekauft und durch eine in Jahren sorgsam zusammengetragene Einrichtung innerlich wenigsten^; des Mittelmäßigen entkleidet. Die Frau hatte er vergeblich zu besitzen versucht nach seiner Art und war daran gescheitert, weil Frau Mathilde vor den menschlichen Leidenschaften den