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„Stirb nicht!"
„Stirb nicht!"
Diese deutsche Stimme, ich weiß nicht, was sie zu mir sagt; sie schafft es nicht, mich aus dem schwarzen Abgrund zu ziehen, in dem ich versinke, mich verfange, jede Sekunde noch tiefer. Seit Tagen habe ich nicht mehr die Kraft, meine Augen offen zu halten. Ist das mein Urin, der midi mal wärmt, mal schüttelt vor Kälte, oder ist es das Fieber? Der Typhus entleert mich an meinem Platz. Ich werde verenden.
Mein Kopf tut mir zum Zerspringen weh. Das Schreien, das Jammern, das Stöhnen der Mädchen zerreißt ihn in spitze Scherben, in Spiegelsplitterchen, die mich zerfleischen, die sich in meinen Schädel bohren.
Ich befehle meiner Hand, sie rauszuziehen. Meine Hände das sind Skelettkrallen geworden, die mir nicht mehr gehorchen. Die Knochen müßten schon die Haut durchbohren. Vielleicht sind sie abgefallen? Das darf nicht geschehen. Meine Hände muß ich mir erhalten, um Klavier spielen zu können. Klavierspielen diese Knöchelchen am Ende meines Arms können höchstens noch den Totentanz klappern, ich lache
Nein, ich bin nicht verrückt, aber diese Idee — lächerlich.
Ich habe Durst, entsetzlichen Durst. Die SS hat das Wasser abgestellt. Es gibt Tage, an denen wir nichts zu essen hatten. Ich habe schon lange keinen Hunger mehr.
Ich werde leicht, schwebe auf einer Wolke, versinke im haltlosen Sand nein, ich fliege in Watte. Seltsam
Ich bin schmutzig zum Glück kam ich auf einen Trick: ich wasche mich mit meinem Urin, so fühle ich mich frischer. Ich darf nicht aufgeben, ich muß mich sauber halten. Urin ist nicht schmutzig. Wenn ich Durst habe, kann ich ihn trinken - und ich habe davon getrunken.
Ich weiß nicht, wie spät es ist. Welcher Tag? Das, das weiß ich. Die Mädchen zählen die Tage: der 15. April. Was soll's. Das ist ein Tag wie jeder andere. Aber wo bin ich denn genau? Bin ich nicht mehr in Birkenau? Dort waren wir siebenundvierzig, wir waren ,die Damen vom Orchester' hier in Bergen-Belsen, in dieser Baracke ohne Fenster, sind wir tausend von Anfang an Leichen. Gott, wie das stinkt! Jetzt hab ich's, es fällt mir wieder ein, wir kamen am 3. November 1944 hier an.
Was für ein Höllenzug in meinem Kopf Ist es Tag, ist es Nacht?
Ich geb's auf, es ist zu mühsam man geht unter dabei.
Über mir, auf meinem Gesicht, ein Hauch ein undefinierbarer Geruch, ein köstlicher Duft.
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