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MADONNA ISABELLAEine galante Geschichte von Giovanni FlorentinoIn Florenz lebte einst eine sehr schöne Frau, die Madonna Isabella hieß und mit einem sehr reichen Kaufmann namens Lapo verheiratet war. Sie war die gefeiertste Frau in ganz Florenz, denn es war dazumal in der Stadt keine schönere zu finden. Ja, ihr Ruf verbreitete sich durch die ganze Toslona, so schön, anmutig und wohlgesittet war sie. Als nun ein reicher junger Mann von Perugia namens Ceccolo von Cola Raspanti von ihrer Schönheit hörte und vernahm, daß oft ihr zuliebe Turniere veranstaltet werden, bekam er Lust, sie zu sehen und auch um sie zu furnieren. Er kaufte also Pferde und Ausrüstung, kleidete sich anständig und gut, nahm hinreichend Geld zu sich und ging nach Florenz, wo er im Umgang mit den jungen Männern viel Aufwand machte. Kurz, er wollte sie sehen, und sobald er sie sah, war er Hals über Kopf in sie verliebt und dachte: Sie ist wahrhaftig noch weit schöner, als ich glaubte. Und wie er sich vorgestellt, so geschah es; es gelang ihm, als Knecht bei Lapo, dem Gemahl jener Madonna Isabella, unterzukommen. Dieser benutzte ihn zu allem möglichen, er mußte ihn auf dem Land und in Florenz bei allen Gängen begleiten.Ceccolo war nun fortwährend entflammt von der Liebe zu der Frau, und da er sie eines Tages allein fand, sprach er zu ihr: Madonna, ich empfehle mich Euch. Es gibt kein Geschöpf auf dieser Welt, für das ich so viel Liebe und Verehrung geheget und noch hege, und Ihr habt schon früher bemerken können, ob das wahr ist oder nicht, denn aus Liebe zu Euch habe ich alles, was ich auf der Welt besaß, verschwendet und halte es für die größte Gnade, hier Euch als Knecht zu dienen; so habe ich Gelegenheit, Euch zu sehen." ,,Glaube nicht", antwortete die Frau, ,,daß ich vergessen habe, was du alles schon für mich getan hast; ich meinte aber, du habest es vergessen, da du nie etwas zu mir gesagt noch irgendeine Andeutung gemacht hast.",,Madonna", erwiderte Ceccolo, ,,ioh wollte nur die Zeit abwarten."Die Frau sprach:,,Richte es ein, daß du heute nacht zu mir ans Bett kommst!"Als es Nacht war, ging Ceccolo um die bezeichnete stunde hin, fand die Kammertür offen und das Licht gelöscht, schlich sich daher an die andere Seite des Bettes, ganz nach Isabellas Anweisung, und nahm sie bei der Hand. Die Frau erwachte nun, faßte ihn sachte beim Arm, hielt ihn fest und rief dann ihren Mann.,,lch muß dir doch auch sagen", sprach sie, ,,was du für wackere Diener im Hause hast. Da kam heuteder Ceccolo zu mir und ging mich um unkeusche Liebe an. Damit du ihn nun packen könntest, sagte ich zu ihm, ich wolle heute nacht zu ihm in die Laube kommen. Wenn du ihn also ertappen willst, so zieh meine Kleider an, nimm ein Handtuch, wickle es um den Kopf und geh hinab in die Laube. Du wirst sehen, er kommt hin, in der Meinung, mich zu treffen, und du wirst finden, ob ich die Wahrheit sage."Lapo stand auf, zog die Kleider seiner Frau an und ging in die Laube, Ceccolo zu erwarten. Sobald der Mann weg war, umarmte die Frau Ceccolo und er sie; sie gaben sich der Lust hin, nach der sie sich so lange gesehnt hatten, und gaben sich vielmals die süßesten Küsse. Dann sprach die Frau zu ihm: ,,Du hast meine Einleitung gehört, geh nun hinunter, schilt ihn weidlich aus, nimm einen Stock mit und spiel ihm auf!"Ceccolo sagte: Laßt mich nur machen." Er stand auf, nahm einen Prügel und ging in die Laube, wo er den guten Narren seiner harrend fand. ,,Schnödes Weib", rief nun Ceccolo, wie kannst du glauben, daß ich mich dazu verstehen würde, meinem Herrn eine solche Schmach anzutun? Was ich dir gestern sagte, tat ich nur, um dich auf die Probe zu stellen; aber wie hast du die Unverschämtheit, deinem Mann untreu zu sein? Schämst du dich nicht, da du den besten und rechtschaffensten Mann in der Stadt zum Gatten hast?" Damit schwang er den Stock, den er in der Faust hielt, schlug ihm über die Arme und auf die Hüfte und rief: ,,Wenn ich nur wieder die geringste Kleinigkeit bemerke, die du jemand in der Welt antust, so sage ich es Lapo und mache, daß er dir die Gurgel abschneidet. Und wenn er's nicht tut, so tue ich es."Am folgenden Morgen ließ Lapo den Ceccolo rufen und sagte: ,,lch will, daß du dies als dein Haus betrachtest. Verlaß dich darauf, hier zu leben und zu sterben, und du magst in allen Zimmern aus und ein gehen nach deinem Belieben, denn ich hatte nie einen Diener, dem ich mehr zugetan war als dir." Messere", antwortete Ceccolo, in allem, was ich getan habe oder tun werde, soll Liebe und Treue mich leiten."Lapo versetzte: Dessen bin ich gewiß." Nun blieb Ceccolo lange Zeit im Haus, er und die Frau pflogen größter Lust und Freude zusammen, und Lapo hegte nie den mindesten Verdacht. So genossen Ceccolo und die Frau ihr Glück ihr Leben lang und hatten die Freude und Wonne dieserWelt.. ,(Deutsch von Adelbert Keller. Leicht gekürzt)