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EINLEITUNG
Die exegetische Fachwelt ist weithin der Ansicht, das Matthäusevangelium (Mt) hänge in den gemeinsamen Partien von Mk ab. Dabei fährt sein Verfasser (Matth) nicht eben gut. Er ändert manches ohne ersichtlichen Grund, kann nicht einmal recht abschreiben und muß sich oft genug den Vorwurf gefallen lassen, er verstehe Mk nicht. Letzteres ist um so peinlicher, als wir Spätgeborenen meinen, Mk zu verstehen. Nun ist aber Mt um vieles reicher als Mk und viel jüdischer, d. h. stärker mit der Heimat Jesu verbunden als Mk oder Lk. Matth hat sein Ev offensichtlich nicht zur Ergänzung des Mk geschrieben, oder gar um es zu ersetzen. Es geht darum kaum an, Mt stets nur von Mk aus zu beurteilen. Vielmehr hatte der Verfasser des Mt seinem Leser etwas zu sagen und wollte ihm etwas sagen. Mt besitzt ausgesprochenen Eigenwert. Diesen Eigenwert des Mt, woher immer der Stoff im einzelnen stammen mag, versucht dieser Kommentar herauszuarbeiten.
Der Eigenwert des Mt liegt einmal im theologischen Gehalt sowohl der Perikopen im einzelnen, wie in ihrer Zusammenordnung durch den Evangelisten. Besonders durch die Darlegung dieses Inhalts möchte der vorliegende Kommentar einem weiteren Kreis akademisch gebildeter Leser dienen, d. h. Lesern, die nicht erschrek-ken, wenn sie einem Wörtlein Griechisch begegnen. Daher die etwas breitere Darstellung mit manchen Wiederholungen und Querverweisen.
Der Eigenwert des Mt liegt aber auch in seiner literarischen Art. Manche Worte Jesu sind rhythmisch gehalten und zu Strophen verbunden. Diese Redeform hat ihre Analogien in den Psalmen und Propheten und ist durchaus semitisch. An manchen Stellen bietet die uns überlieferte, griechische Textgestalt des Mt allerdings nur noch Fragmente der rhythmischen und strophischen Gebilde. Es ist das Bestreben dieses Kommentars, solche Gebilde tunlichst zum Ausdruck zu bringen, was sich fast nur mit dem griechischen Text bewerkstelligen läßt. Das ist einer der Gründe, weshalb der griechische Text (wo nichts anderes vermerkt wird, nach Merk) beigegeben wird; der andere Grund ist dieser, daß der Benützer die