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Ein Opfer
Ganz alltäglich fing es an. Am 17. November 1967 gegen 14.20 Uhr stand der damals 37jährige kaufmännische Angestellte R. Rudolph mit seinem BMW 2000 vor einer auf Rot stehenden Verkehrsampel. Plötzlich prallte ein Mercedes 230 SL mit hoher Geschwindigkeit von hinten auf sein Fahrzeug und schleuderte es 7,80 m nach vorn. Rudolphs Kopf wurde nach rückwärts gerissen und schlug dann wieder nach vorn mit Wucht gegen das Lenkrad. Völlig benommen kletterte Rudolph aus seinem demolierten Wagen. Man brachte ihn nach Hause, wo sich Schwindelgefühle und Brechreiz einstellten. Kopfschmerz plagte ihn und zwei Tage später Schluckbeschwerden - «wie nach einer Strangulation». Beschwerden im Nacken und ein ziehender Schmerz vom rechten Schulterblatt bis zum Gelenk der rechten Hand traten auf.
Vier Stunden nach dem Unfall wurde Rudolph von seiner Ehefrau zu einem Neurologen gebracht. Dr. med. H. P. H. diagnostizierte eine leichte Gehirnerschütterung und ein schweres Schleudertrauma der Halswirbelsäule (Peitschenschlag-Syndrom). Als nach Monaten - bei steigendem, ärztlich verordnetem Schmerzmittelkonsum - keine Besserung der Schulter- und Armschmerzen eingetreten war, ließ sich Rudolph auf ärztlichen Rat eine Kopfstütze mit zwei Plexiglasschalen, gewalktem Schulterteil und verstellbaren Schienen und Verstärkungsbändern aus Leichtmetall anfertigen. Eine Erschlaffung der Nacken-und Schultermuskulatur machte nach mehreren Monaten den erfolglosen Abbruch dieser Behandlung erforderlich.
Arztbesuche und Klinikaufenthalte, die in erster Linie der Schmerzbekämpfung dienten, wurden immer häufiger. Der Verdacht auf eine medikamentös bedingte Leberschädigung tauchte auf, Magenbeschwerden stellten sich ein, die Nieren schienen geschädigt. Im Februar 1969 konsultierte der Privatpatient Rudolph einen Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, Dr. med. K. Der heute 51 jährige Arzt war ihm als Spezialist für Schleudertraumen der Halswirbelsäule empfohlen worden. Als trotz schwerster Arzneimittelgeschütze gegen die unvermindert anhaltenden Schmerzen aus den Unfallfolgen auch eine operative Behandlung (Durchtrennung des Brustgrenzstrang genannten Nervenbündels an der rechten Halsseite) in der Neurochirurgischen Abteilung der Chirurgischen Klinik der Universität Frankfurt am Main keine wesentliche Linderung brachte, entschloß sich Dr. K. zu einer in der Geschichte der Medizin bisher vielleicht einmaligen «Intensivbehandlung». In der Zeit von März/April 1971 bis zum 27. Juli 1972 nahm dieser an seinem Patienten Rudolph folgende «therapeutische» Eingriffe vor: