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Steuermann Freymuth und sein Sohn
„Jochen! He, Jochen!"
Der Steuermann der venezianischen Karavelle „San Marco", ein Deutscher namens Jörg Freymuth, stand an Backbord des zweimastigen Seglers und blickte zum Hauptmast hinauf, die Hände wie einen Schalltrichter um den Mund gelegt, den Kopf tief im Nacken. „He, Jochen, hörst du mich nicht?"
Aus dem Mastkorb beugte sich ein blonder Bursche, dessen Haar vom Fahrtwind gezaust wurde. „Ja, Vater, ich höre!" rief er herunter.
„Kein Segel in Sicht, Junge? Nichts Verdächtiges zu sehen?"
„Nichts, Vater! Im Südwesten sehe ich das nordafrikanische Festland und undeutlich eine lange Landzunge."
„Das ist Kap Bon, Junge. Wir kommen in den Machtbereich der Seeräuber von Algier. Nun wird's gefährlich, Jochen!"
„Ich hab' keine Angst, Vater!" kam die helle, junge Stimme beinahe ladiend aus dem Topp.
„Komm herunter, deine Wache ist um! Pietro wird dich ablösen!"
Die Karavelle hatte alle Segel aufgezogen und machte bei stetigem Südostwind gute Fahrt. Der Himmel war wolkenlos und von tiefer, intensiver Bläue, und die gleiche Farbe zeigte das Meer, nur waren die Wellen mit weißen Schaumlinien gekrönt. Der Bug der „San Marco" stieß in die schaumigen Wellen und hob sich dann leicht wie ein edler Renner über die Wellenberge hinweg; die Vorwärtsbewegung des Schiffes war wie das sanfte, einlullende Schaukeln einer Wiege im blauen, goldenen Sonnenglanz von Himmel und Meer.
Jochen Freymuth enterte wie eine Katze die Strickleitern herunter. Während Pietro, der zweite Schiffsjunge, zum Mastkorb hinaufstieg, eilte der Sohn auf seinen Vater zu, der ihm mit liebevoller Bewegung über das wirre Haar fuhr.