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EINFÜHRUNG DaS Nibelungenlied ist um 1200 entstanden. Zu jener Zeit habea viele Dichter in Deutschland gelebt und gesungen, unter ihnen die beiden GroGen: Wolfram von Eschenbach und Walther von der Vogelweide. Neben diese tritt - ihnen ebenbürtig - der Unbekannte, der unserm Volke das Nibelungenlied schenkte. Dieses Lied, vor allém aus den Sagen vom Tode Siegfrieds und dem Untergang der Burgundén erwachsen, war im Mittelalter so beliebt wie keine andere zeitgenössische Dichtung: Von keinern anderen Werk gibt es eine solche Füllé von Handschriften und Bruchstücken. Der Dichter des Nibelungenliedes singt kein Preislied auf deutsche Lande oder deutsches Volk. Er spricht von den kühnen Nibelungen, den tapferen Burgundén, den Sachsen, Dánén, Thüringern, den Gefolgsmannen des guten" Rüdiger von Bechelaren, von den Recken Dietrichs von Bern. Im Unterschied zu den Heunen nennt er sie gelegentlich deutsch". Sonst aber zieht er kein engeres Band zwischen ihnen als das der gemeinsamen Sprache und das einer gelegentlichen Freundschaft wie etwa zwischen den Burgundén und Rüdiger mit seinem Gefolge, zwischen Gunther und Dietrich. Und doch hat er für die Weckung und Stárkung des deutschen Nationalgefühls Entscheidendes geleistet. Seit dem frühen 19. Jahrhundert hat sich, ausgehend von der Romantik, die Forschung des Nibelungen-Stoffes bemáchtigt, und Generationen von Fachgelehrten habén daran gearbeitet, die Fragen zu kláren, die die Entstehung des Liedes, sein geschichtlicher Hintergrund und geistesgeschichtlicher Standort, sein ethischer, nationaler und sozialer Gehalt, seine künstlerische Qualitát und seine Würdigung aufgeben.