Bővebb ismertető
Vorwort
Die europäische Geschichte nach dem Untergang des Weströmischen Reiches wurde von Völkern gestaltet, die ihre Wohnsitze allesamt schon seit langen Jahrhunderten auch in Europa selbst hatten. Fremde Eindringlinge, wie Hunnen, Awaren, Chazaren und Mongolen, hielten sich nicht lange. Nur zwei fremde Völker, die aus Asien kamen, nämlich die Magyaren, ferne Verwandte der Finnen, und der osmanische Stamm der Türken, haben es vollbracht, die Historie des Kontinents über mehrere Jahrhunderte als Großmächte kräftig mitzugestalten.
Dieses Buch ist der Geschichte des Osmanenreiches gewidmet. Die Periode des Aufstiegs fasziniert am meisten: Zusammen mit der Blütezeit, die auf die Hochrenaissance entfällt, ist diese Periode etwa mit der ersten Hälfte der sechshundertjährigen Geschichte des osmanischen Imperiums identisch. Wie vermochte ein Reich, dessen Staatsvolk und Kernland - die Türken in Anatolien - mit einem West- und Mitteleuropa jenes Zeitalters auf dem Gebiet der wirtschaftlichen und der technischen Entwicklung generell doch nicht Schritt halten konnten, zu einer etablierten militärischen Großmacht aufzusteigen? Wie konnte es mit seiner Flotte das halbe Mittelmeer beherrschen? Weshalb konnte dieses Osmanenreich ganz Südosteuropa, große Teile Ostmitteleuropas, den Nahen Osten und fast die gesamte afrikanische Küste des Mittelmeeres dauerhaft okkupieren? Schließlich fallen diese Entwicklungen in die Zeit der Renaissance und der Reformation, in eine Epoche also, als in kriegerischen Auseinandersetzungen nicht mehr ausschließlich die blanke Klinge und die Tapferkeit der Truppe allein den Ausschlag gaben; ins Zeitalter der Feuerwaffen und des frühen Kapitalismus!
Eine Suche nach den verschiedenen Ursachen des osmanischen Erfolges soll sich wie ein roter Faden durch den Ersten Teil dieses Bandes ziehen: Da werden markante Wesenszüge, originelle Institutionen und Gepflogenheiten dieses Staates skizziert, welche in erster Linie die Periode seines Aufstiegs zur Großmacht und den Höhepunkt seiner Entfaltung kennzeichnen. Heeresorganisation, Bewaffnung und Kriegskunst, außenpolitische Konzepte und Diplomatie, Motivation und Zusammensetzung der Truppe und des Kreises der höchsten Würdenträger, dynastischer Gedanke und staatliches Selbstverständnis, Religion und Tradition dieser