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DAS PORTRÄT DER ERDE
In Stein geritzt, in Tonplättchen eingedrückt, auf Papyri aufgezeichnet, finden wir Abbildungen von Städten, Landsdiaften, sogar von ganzen Ländern schon bei den frühesten Hochkulturen des Orients. Freilich waren diese Darstellungen ungenau, und unvollkommen blieben die Versudie einer objektiven Darstellung der Erdoberfläche bis zum Beginn der Neuzeit. Ein weiter Bogen spannt sich von diesen ältesten Konterfeis winziger Ausschnitte der Erdoberfläche bis zu unseren heutigen Landkarten, Erdkarten und Globen, die das Bild unseres Planeten in kaum noch zu überbietender Präzision widerspiegeln.
Wie in einem Bilderbudi können wir auf unserem Weg durch die Geschichte der Kartographie die Geschichte der Mensdiheit während der letzten paar Jahrtausende ablesen.
In unseren Tagen gibt es kaum noch „weiße Flecke" auf unseren Erdkarten. Es scheint, als sei das Porträt der Erde wenigstens in großen Zügen unveränderbar gezeichnet. Indessen — fortwährend wandelt sich das Antlitz unseres älter werdenden Planeten. Seine Porträtmaler, die Kartographen, müssen daher ständig weiter an dem Abbild arbeiten, das uns Karten, Atlanten und Globen vermitteln.
WAS BEDEUTET „KARTE"?
Wo das geläufige Wort „Karte" herstammt, ist nicht ganz klar. Manche leiten es aus dem Griechischen „xagaaco" (ausgesprochen: charaso) her: „Ich ritze in Stein (oder Erz)". Tatsächlich sind uns aus dem Altertum in Stein gehauene oder in Ton gekerbte „Landkarten" überliefert. Wahrscheinlicher ist die folgende Ableitung: Aus Portugal stammt die Bezeichnung „cartes" für Papier. Das Wort nahm seinen Weg über Spanien nach Italien und wurde hier mit dem dem Griechischen entstammenden Wort „xagrvg" (ausgesprochen: chartys) zum lateinischen Wort „Charta" zusammengezogen. Dieses „charta" fand nunmehr in alle romanischen Sprachen Eingang.