Bővebb ismertető
Vorwort zur 3. Auflage
Die Literatur über die sogenannte Bildungsmisere in der Bundes-
republik ist kaum noch zu überblicken. Seit Jahren unterliegt un-
ser Schulwesen scharfer, oft vernichtender Kritik. Dabei wech-
seln Perspektiven und Maßstäbe je nach politischem und wissen-
schaftlichem Standort; nicht selten werden Maßstäbe auch aus Bil-
dungsutopien gewonnen. Bei der Neubearbeitung dieser zuerst 1966
erschienenen Dokumentation standen auch wir vor der Frage, was
unsere Bildungsstätten heute sind: "Die Schulen der Nation", um
den Titel eines von Klaus von Dohnanyi herausgegebenen Sammel-
bandes aufzugreifen, oder "Hinterhöfe der Nation", wie sie Luc
-Jochimsen schildert? Lassen wir das Problem der Verwendung
des Begriffes "Nation" in diesem Zusammenhang einmal außer
acht - so soll klar gesagt sein, daß wir einen Standort wählten,
der eine auch durch internationalen Vergleich mitbestimmte Sicht
ermöglicht. Es ging uns nicht um Verdammung, aber auch nicht
um Selbstlob, weder um die im bildungspolitischen Show-business
weithin zur Mode gewordene Katastrophenargumentation noch um
den Versuch, ein neues Allheilmittel für Dysfunktionalitäten des
gegenwärtigen Schulsystems zu empfehlen.
Ziel unserer Neubearbeitung war eine Bestandsaufnahme. Ist doch
seit der 1. Auflage, die eine erweiterte Fassung des Beitrages für
"Schulen in Europa" (Bd. 1-3; Weinheim: Beltz 1968 u. 1969;
Supplement 1972) darstellt, die Entwicklung des Schulwesens in
allen europäischen Ländern schnell vorangeschritten. Auch in
der Bundesrepublik ist in den letzten Jahren im Schulwesen vieles
in Bewegung geraten, manche beachtlichen Teilreformen und Schul-
versuche sind eingeleitet worden. Seit 1966 ist eine große Zahl
von "systemimmanenten" Neuerungen erfolgt; wenn sich auch die
grundlegenden Veränderungen im Sinne einer Strukturreform
weithin noch im Stadium einer lebhaften Diskussion befinden. Sie
sind jedoch so langfristig geplant, daß die in dieser Neuauflage
geschilderten Tendenzen und Pläne auf Jahre hinaus die Entwick-
lung kennzeichnen dürften.