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EINFÜHRUNG
Wer sich einen Überblick Uber die unseren Erdball heute bewohnenden Tiere schaffen will, steht einer überwältigenden Mannigfaltigkeit von Formen gegenüber. Die Zahl der zur Zeil bekannten Tierarten beträgt etwa 1 Million und diese Zahl ist noch fortwährend im Steigen begriffen. Schon früh hat der Mensch versucht, in diese ihn umgebende Vielfalt Ordnung zu bringen und, ursprünglich wohl unbewußt, wurde Ähnliches mit Ähnlichem zu einem Begriff vereint: Fink, Sperling, Gans, Ente und andere gefiederte Tiere mit zwei Flügeln, zwei Beinen iowie einem Schnabel wurden eben zu dem Begriff „Vogel" und ebenso entstanden Begriffe wie „Frosch", „Käfer" und andere mehr. Damit wurden zweifelsohne vielfach die wirklichen Verwandtsdiaften erfaßt, oft aber auch nur äußerliche Ähnlichkeiten. So wurden zum Beispiel die ungeflügelten Larven und Weibchen des Leuchtkäfers als „Glühwürmchen" zu den Würmern gestellt und „Wal-" wie auch „Tintenfisch" gerieten in die Gesellschaft der Fische.
Es fehlte jedoch nicht an Versuchen, umfassende Systeme aufzustellen, aber diese mußten^ Abstraktionen des menschlichen Geistes bleiben, denn in einem Tierreich, das am 6. Schöpfungstage mit allen heute lebenden Arten erschaffen wurde, waren Verwandtschaflsbeziehungen der Tiere untereinander undenkbar. Seihst für den großen und verdienstvollen Registrator des Pflanzen- und Tierreichs, den Schweden Carl Linnaeus (Linné, geb. 1707, gest. 1778) war sein „systema naturae" durchaus kein auf natürlicher Verwandtschaft aufgebautes System; er glaubte vielmehr, in ihm den Schöpfungsplan Gottes entdeckt zu haben, ähnlich dem Muster, nach dem ein Weber eine kunstvolle Matte webt.
Sein unsterbliches Verdienst bleibt jedoch, mit den Kategorien: Klasse, Ordnung, Gattung und Art sowie mit einer zweifachen Namengebung für jede Tier- und Pflanzenart (binäre Nomenklatur) das Grundgerüst der modernen Systematik gegeben zu haben. Die niederste Einheit in dieser Rangordnung nimmt das „Individuum" (das „Unteilbare") ein, dessen Einzelteile auf die Dauer nicht allein zu leben vermögen. Dieser Kategorie kommt zweifellos Realität zu, wenn auch in Einzelfällen (z. B. Schwammkolonien, Staatsquallen) die Abgrenzung des Individuums schwer durchführbar ist. Den Angelpunkt der Linnaeischen Systematik bildet der Begriff der „Spezies" oder „Art". Zu ihr gehören alle Individuen, die bei ermöglichter Paarung eine durch Generationen fruchtbare Nachkommenschaft bilden (Schilder 19$2). Die nächsthöhere Kategorie seines Systems, die „Gattung" (genus) kann eine, mehrere oder gar viele Arten umfassen, die einander ähnlich, nicht aber untereinander fruchtbar sind.
Jede Art führt nun im System einen klein zu schreibenden Artnamen, dem der groß zu schreibende Gattungsname vorangesetzt wird. So gehören die Kohl-, die Tannen- und die Blaumeise der Meisengattung „Parus" an. Die Kohlmeise heißt Parus major, die Tannenmeise Parus ater und die Blaumeise Parus caeruleus. Die darüber folgenden Kategorien, z. B. für die genannten Meisen die Familie Paridae (Meisen), die Ordnung Passeriformes (Singvögel) und die Klasse Aves (Vögel), werden im Namen nicht ausgedrückt.
Für die Bedürfnisse der modernen Systematik reichen die genannten Kategorien nicht aus, so daß eine Reihe von neuen geschaffen werden mußte. Sie lauten nunmehr.-
1. Reich (regnum) 6. Ordnung (ordo) 11. Art (species)
2. Abteilung (divisio) 7. Familie (familia) 12. Varietät (varietas)
3. Stamm (phylum) 8. Sektion (sectio) 13. Spielart (aberratio)
4. Kreis (cladus) 9. Tribus (tribus) 14. Einzelwesen (Individuum)
Í. Klasse (classis) 10. Gattung (genas)
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