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VORBEMERKUNG
„Was in Telgte begann", heißt es zu Anfang, „schreibe ich auf, weil ein Freund, der im siebenundvierzigsten Jahr unseres Jahrhunderts seinesgleichen um sich versammelt hat, seinen 70. Geburtstag feiern will; dabei ist er älter, viel älter - und wir, seine gegenwärtigen Freunde, sind mit ihm alle aschgrau von dazumal." Und vorher noch wird bemerkt, daß die erzählte Geschichte vor mehr als dreihundert Jahren begonnen hat.
Denn wir befinden uns in dem kleinen Ort Telgte in der Nähe der Stadt Münster, im Jahr bevor dort nach dreißig Jahren Krieg ein Friede geschlossen wird. Die Verhandlungen sind im Gange. Die sich-in Telgte versammeln, sind keine erfundenen Figuren, sondern allesamt deutsche Dichter, die gelebt haben, auch ein berühmter Komponist ist unter ihnen - es sind die Repräsentanten einer großen Epoche, einer der größten unserer Literatur, immer noch zu wenig bekannt; wir begegnen Gryphius und Hoffmannswal-dau, Angelus Silesius und Grimmelshausen, Logau und Paul Gerhardt, Rist und Czepko und vielen anderen, und alle sammeln sich um Simon Dach, der ein berühmtes Lied von der Freundschaft gedichtet hat.
Aber da ist ja der Satz vom „siebenundvierzigsten Jahr unseres", also nicht des 17. Jahrhunderts, und selbst wenn nicht die Widmung an Hans Werner Richter auf das Titelblatt der Erzählung folgen würde, wüßten wir, daß in einem gewissen Sinne von der Gruppe 47 die Rede ist, jener Gruppe, die eigentlich keine war, sondern die sich immer nur auf ihren Zusammenkünften konstituierte und ohne die man nicht von deutscher Literatur nach dem zweiten Weltkrieg reden kann, ins Leben gerufen von diesem Hans Werner Richter, der sich in den Kopf gesetzt hatte, junge Dichter um sich zu sammeln und lesen zu lassen, was sie mitgebracht hatten, uiid sie dann einer gemeinschafdichen Beurteilung auszusetzen.
Man sollte aber auch nicht das „Treffen in Telgte" als eine Art Schlüsselerzählung lesen - es ist keine, wenn auch manche Züge aus dem späteren Richterschen Kreise in den historischen Personen aufscheinen mögen. Grass gibt mit hoher Sinnlichkeit ein Bild des Barocks, das seinesgleichen