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Das Urteil von Ingelheim [antikvár]

Marion Reimann

 
Ostermorgen des Jahres 1030 nach der Fleischwerdung des Herrn. - Noch liegt in dieser frühen Stunde Stille über der Ingelheimer Pfalz. Dabei bergen Herrenhaus und Nebengebáude so viele Gáste, dafí es uns Mühe gekostet hat, aile ihrem Rang gemáfi unterzubringen, die heute mit uns gemeinsam der heiligen Messe beiwohnen werden. Die jungen und niedrigeren Herren müssen mit den Zeiten vor der Pfalz zufrieden sein. Es soll dort jedoch lustig zugehen - bis tief in die Nacht hinein, wie Ita versicherte, als sie mir ;gestern abend das Bett...
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Ostermorgen des Jahres 1030 nach der Fleischwerdung des Herrn. - Noch liegt in dieser frühen Stunde Stille über der Ingelheimer Pfalz. Dabei bergen Herrenhaus und Nebengebáude so viele Gáste, dafí es uns Mühe gekostet hat, aile ihrem Rang gemáfi unterzubringen, die heute mit uns gemeinsam der heiligen Messe beiwohnen werden. Die jungen und niedrigeren Herren müssen mit den Zeiten vor der Pfalz zufrieden sein. Es soll dort jedoch lustig zugehen - bis tief in die Nacht hinein, wie Ita versicherte, als sie mir ;gestern abend das Bett richtete. Nun, das ist üblich, und weder Konrád noch ich sind bisher eingeschritten. Nur Ita habe ich strikt verboten, an diesen Lustbarkeiten teilzunehmen. Es geziemt sich nicht für meine persönliche Dienerin. Eila hátte ich es nicht erst zu sagen brauchen. Freilich war sie bereits mit Markward verheiratet, als s(ie in meinen Diensten stand. Gleichviel - sie war feiner als Ita, nicht nur meine Dienerin, auch meine Vertraute. Das hat sie an Ita nicht weitergeben können, als sie diese für mich ausbildete. Aber ihren Fleifi, ihre Treue, ihre Willigkeit, mir alles rechtzumachen. So ist Ita auch jetzt wieder an ihrem Platz, wie die Geráusche im Nebenraum beweisen. Jeder Morgen an einem festen Ort beginnt für sie mit dem Richten meines Bades. Sie müht sich mit den klobigen Holzstücken beim Heizen des Kessels. Vorher reibt sie ihre Hánde mit Schweineschmalz ein, wie sie es von Eila gelernt hat, damit sie nicht rauh und rissig werden. Dann schleppt sie Wasser herbei, wartet, bis es heifi genug ist, stellt einen Kübel kaltes bereit, das sie mir als Abschlufí über den Rücken giefíen mufí. Sie klappert dabei mit den Záhnen, wáhrend mir die Kühle wie ein Mantel die Schultern hinabfállt. Barbarisch, stellt sie jedesmal fest und dafí sie sich niemals mit diesem von mir aus Rom mitgebrachten Brauch anfreunden werde. Veráchtlich setzt sie hinzu: Und die wagen es, uns Barbaren zu nennen, Frau Kaiserin! Dann hüllt sie mich in ein weiches Tuch, und ich schlüpfe noch einmal ins Bett, in dem sich die Wárme bewahrt hat. Das ist die Stunde, in der Ita meine Kleider bereitlegt und in der wir über Frisur und Schmuck beraten. Ich brauche nicht zu sprechen, wenn Ita mich ankleidet: weiches, flieöendes Untergewand, lichtblaues Oberkleid - meine Lieblingsfarbe - aus kostbarer schwerer Seide mit eingewebten Goldornamenten das bis kurz unters Knie reicht. Dann noch der purpurrote Mantel aus dem gleichen Stoff mit denselben Goldwebereien - beides Geschenke des griechischen Kaisers, wie ich mich erinnere, als noch die byzantinische Heirat unseres Sohnes im Gesprách war, die wir jedoch nach dem Bericht unseres Gesandten verworfen hatten.

Termékadatok

Cím: Das Urteil von Ingelheim [antikvár]
Szerző: Marion Reimann
Kiadó: Prisma-Verlag
Kötés: Vászon
Méret: 150 mm x 210 mm
Marion Reimann művei
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