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„Wer bloß an einer Pflanze riecht, der kennt sie nicht, und wer sie pflückt, bloß um daran zu lernen, kennt sie auch nicht*."
Mit diesen Worten wehrt sich Hölderlin in der Vorrede seines Werkes „Hyperion oder der Eremit in Griechenland" gegen die reinen Ästheten und gegen die reinen Rationalisten. Goethe meint einmal, daß man eine Pflanze durch das Anschauen gewinne, durch das langsame Aufsichwirkenlassen. In diesem Sinne muß Hölderlins „ Hyperion" gelesen werden; nicht mit irgendwelchen Fachabsichten, sondern als Dichtung: die den Menschen angeht, weil sie vom Menschen kündet.
Die verhältnismäßig einfache Liebesgeschichte des Romans wäre bald erkannt und verstanden; da das Werk aber eine echte Dichtung ist, liegt hinter den Worten der Gesang; hinter dem Äußeren der Tiefgrund; hinter Hyperion und Diotima und Griechenland — der Mensch und die Welt. Nur bei dieser „Absicht" kann sich die Dichtung der fragenden Auslegung öffnen, weil kein Oberflächendienst imd kein Buchstabendienst gemeint ist. Soll Hölderlins „Hyperion" nach dem Wesen der I. i e b e befragt werden, so muß aus dem Geist der gesamten Dichtung die Antwort geschöpft werden.
• Zitiert nach HÖLDERLIN Friedrich, Sämtliche Werke, Leipzig, o. J. Insel-Verlag. (Dünndruckausgabe in einem Band:) Hyperion. S. 425 ff.
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