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Einleitung
Die Welt, die wir aus den Augen verloren haben
Die in dem vorliegenden Band versammelten Essays sind zwischen 1994 und 2006 entstanden. Sie behandeln ganz unterschiedliche Themen - von französischen Marxisten bis zur amerikanischen Außenpolitik, von der Globalisierung bis zur heutigen Erinnerungskultur aber ihnen gemeinsam sind zwei Dinge, denen mein Interesse gilt. Das eine ist die Bedeutung von Ideen und die Verantwortung der Intellektuellen (der älteste Essay beschäftigt sich mit Albert Camus, der jüngste mit Leszek Kolakowski). Zum anderen geht es mir um den Ort der Geschichte in einem Zeitalter des Vergessens, um die Frage, warum es uns so schwer fällt, das vergangene Jahrhundert zu begreifen und aus seinen Katastrophen zu lernen.
Die Essays sind thematisch eng miteinander verknüpft, und sie reflektieren die historische Epoche, in der sie geschrieben wurden. In kommenden Dekaden werden wir auf die fünfzehn Jahre zwischen dem Fall des Kommunismus und der verheerenden amerikanischen Irakinvasion als vergeudete Jahre zurückblicken - anderthalb Jahrzehnte ungenutzter Chancen und politischer Inkompetenz beiderseits des Atlantiks. Allzu selbstgewiss und gedankenlos haben wir das 20. Jahrhundert zu den Akten gelegt und uns enthusiastisch in das neue Jahrtausend gestürzt, angetan mit lauter Halbwahrheiten - vom Triumph des Wes- Sv
tens, vom Ende der Geschichte, von der singulären Macht Amerikas, dem unaufhaltsamen Vormarsch von Globalisierung und Kapitalismus.
In unserer Begeisterung gingen wir sofort daran, das ökonomische, intellektuelle und institutionelle Gepäck des 20. Jahrhunderts wo immer möglich abzuschütteln, und legten anderen nahe, es uns gleichzutun. Die Vorstellung, dass jetzt etwas ganz Neues beginne und aus