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Zu diesem Buch
Wer geglaubt hatte, daß sich irgendwann nach Ende des Kalten Krieges ein freundlicher Friede über die Welt ausbreiten würde, der wurde auch in diesem Jahr eines Besseren belehrt. In Tschetschenien etwa starben wieder Hunderte Zivilisten. In Palästina entzündete sich neue Gewalt an der Öffnung eines Tunnels in der Altstadt von Jerusalem. Und in Afghanistan verwandelte die Artillerie auch die letzten Häuser in Ruinen. Die Bilder in diesem Jahrbuch zeugen von den Schrecken des offenbar unbesiegbaren Krieges von Menschen gegen Menschen.
Zum Glück gibt es nicht nur Leid, Schmerzen und Tod in der Welt: Kurioses haben die Fotografen rund um den Globus ebenfalls festgehalten, etwa den
Versuch von Lady Di, unerkannt in Rom eine Tasse Kaffee zu trinken, oder die Demonstration barbusiger Italienerinnen gegen die Teilungspläne der »Lega Nord«. Dazu Dramatisches, wie die Rettung einer jungen Amerikanerin aus reißenden Fluten.
In Deutschland wurde in diesem Jahr viel über »Sparpakete« und »Sozialabbau« geredet, Finanzminister Waigel stand im Kreuzfeuer der Kritik, Gewerkschaftsdemonstrationen brachten Hunderttausende auf die Straße. Der »Euro«, die angestrebte gemeinsame Währung Europas, ist zumindest eine Erklärung für den Sparzwang, in Wirtschaftskreisen war er das beherrschende Thema des Jahres.
Beim Sport dagegen dominierten zwei Ereignisse: die Fußball-Europameisterschaft in England und die Olympischen Spiele in den USA. Während die EM, zumindest aus deutscher Sicht, ein Höhepunkt war - und
Bundestrainer Berti Vogts vom Prügelknaben zum Volkshelden machte wurden die »Coca-Cola-Games« von Atlanta dank hemmungsloser Geschäftemacherei und US-Chauvinismus von vielen als eine Art Tiefpunkt der Sportkultur betrachtet.
Große Auftritte gab es in der Kultur. Der Trend zu Ausstellungen mit Zuschauer-Massenandrang setzte sich fort: Vermeer in Den Haag, Picasso in Paris, Renoir in Tübingen. Dazu paßt es, daß Bestseller in immer höheren Auflagen gedruckt und Hollywood-Filme mit immer größerem Aufwand gedreht wurden. Minimalismus dagegen trieben die Modemacher: Sie kommen anscheinend mit immer weniger Stoff aus.