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VORWORT
er Titel dieses Buches könnte auf den ersten Eindruck hin eine irrige Vorstelhing vom Inhalt erwecken; darum sei zii allem Anfang betont, daß diesesWerk kein bloßes Material für die Sinne liefern, sondern hineinführen möchte in eine viel weiter umgrenzte Welt, als es im ersten Augenblick den Anschein hat. Den Ausgangspunkt bildet die Darstellung des Weibes in der Kunst; das ist in gewissem Sinne eine Eingrenzung, aber sie schließt den Vorteil ein, daß man von einem festgelegten Punkte aus Umschau halten kann in die bewegte Welt des Werdens, Vorstöße in diese und jene Richtung wagen darf mit jenem sicheren Gefühle, welches den Soldaten beseelt, wenn er sein Vordringen in unbekanntes Gebiet auf einen strategisch gesicherten Punkt zu stützen vermag. Und durch die Klärung der Umwelt wird auch der Ort, von dem er ausgeht, erst in seiner vollen Bedeutung herausgehoben. An einem herausgestellten Problem wie es das vorliegende ist, manifestiert sich ja die ganze übrige Entwicklung, wenn man es nicht künstlich herausreißt aus der Totalität der seelischen Phänomene. So zeichnet sich auch in der Darstellung des Weibes die Gesamtentwicklung des künstlerischen Vermögens und der künstlerischen Absichten mit. Wie dieses einzelne Problem sich nicht lösen kann von der Gesamterscheinung der Kunst, so steht es in einem größeren Zusammenhange mit dieser Kunst seihst. Sie ist nur ein Idiom in der reichen Sprache, in welcher der Mensch Ausdruck gibt von seinem Innern, von seiner Stellung zur Welt. Jeder Mensch, der ein Gefühl hat für organische Zusammenhänge, wird sich instinktiv dagegen sträuben, aus einem Bilde eine Figur zur ausschließlichen Betrachtung herauszunehmen und als Selbstwert, als etwas A bsolutes aus der Welt der Relationen, die erst ihr Leben vervollständigen, zu lösen. Ebensowenig geht es an, die Kunst selbst aus der Einheit, zti der sie mit allen übrigen geistigen Phänomenen verbunden ist, herauszureißen, ohne ihr den tiefen Hintergrund, die Atmosphäre zu rauben, in welcher sie atmet. Denn die Kunst ist nur eine Äußerung des Gesamtwollens, der Weltbetrachtung eines Volkes und bekommt erst vollen Glanz, wenn man die Bahnen freilegt zu jener zentralen Sonne, aus der alles Werden fließt. Darum soll in diesem Buche der Versuch unternommen werden, mehr als es in der Kunstgeschichte üblich ist, den Blick zu richten auf jenes Agens, das hinter aller Gestaltung liegt. Es will keine Betrachtung bloßer Formen oder Materien sein, sondern eine Darstellung allgemeiner seelischer Kräfte und Tendenzen, die als bildende Faktoren hinter der durch die Kunst kristallisierten Gestalt stehen. So führt es von dem hinausgestellten Produkt, von der Verkörperung zurück zu jenen lebendigen Energien, die sich in ihr auswirkten, tind läßt die Seele eines abgeschiedenen Volkes heraufkommen.