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Vorwort.
Meine akademische Studienzeit ist mit dem Aufstieg der durch Darwin neu begründeten Entwicklungslehre zusammengefallen. Als Schüler meines verehrten Lehrers Haeckel und in persönlichem Verkehr mit ihm gewann ich das rege Interesse für die Biologie, welches für meine eigene Entwicklung und für die Richtung meiner späteren Forschungen entscheidend wurde. Schon früh konnte ich an der Quelle selbst den Kampf der Meinungen verfolgen, welche für und wider die einzelnen Lehren des Darwinismus geäußert worden sind. Hierbei blieben mir viele Schwächen desselben nicht verborgen und regten mich, je älter ich wurde, zu eigenem Nachdenken an. Daher bin ich in keiner Periode meiner wissenschaftlichen Ausbildung, auch nicht in der Zeit der siegreichen Ausbreitung des sogenannten Darwinismus, zu einem blinden Parteigänger desselben geworden. Namentlich über den Wert und die Tragweite der Selektionstheorie und der verschiedenartigen aus ihr gezogenen Folgerungen konnte ich die Zweifel niemals los werden.
Aufgefordert, an der Jahrhundertwende auf der Versammlung deutscher Naturforscher zu Aachen einen Vortrag !über die Entwicklung der Biologie im 19. Jahrhundert zu halten1), benutzte ich die Gelegenheit, meine Zweifel über die Richtigkeit der Selektionstheorie zum ersten Mal [öffentlich auszusprechen. Die Entstehung der Organismenwelt aus natürlichen Ursachen bezeichnete ich „als ein außerordentlich verwickeltes und schwieriges Problem, das durch eine Zauberformel ebensowenig zu lösen sei, als es ein für jede Krankheit brauchbares Allheilmittel gebe". „Indem Weis-
ij Hertwig, Oscar, Die Entwicklung der Biologie im ig. Jahrhundert. Vortrag auf der Naturforscherversammlung zu Aachen. Jena igoo. 2. Aufl., nebst einem Zusatz über den gegenwärtigen Stand des Darwinismus, Jena igo8.