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EINLEITUNG UND ANDEUTUNG
1.
Zu den vielen falschen Meinungen, von denen die Welt regnet und regiert wird, gehört auch die, die Medizin sei die Lehre vom Körper. Diese konnte wieder nur zu leicht aus einer anderen falschen Richtung der Geistesbetätigung entstehen: aus der Zerlegung aller den Menschen betreflFen? den Forschungen. Die alten, schon in Indien aufgestellten Menschheitsforderungen: „Erkenne dichl" und: „Werde du!" sind — abgesehen von der instinktiven künstlerischen Erfassung und Erschauung — gar nicht zu verwirklichen, wenn Medizin überwiegend den Körper, Psychologie nur die Seele und die Geisteswissenschaften den Geist behandeln.
Der Mensch ist eine Einheit, sicherlich Körper und Seele, Wer in sich selbst einblicken will, um all das, was in ihm liegt, zu entwickeln, zur Blüte und zur Reife zu bringen und es so nicht nur für sich selbst, sondern auch erst recht für die Umwelt nutzbar zu machen, der muß sich als Ganzes erkennen können, als die Einheit, die er ist. Nur dann wird er sich selber gestalten und voll ausnutzen lernen, wie er es mit Teilen seiner Ganzheit schon gelernt hat.
Es ist dies wiederum kein ganz neues Streben: der Orient kannte es lange. Aber für unsere Zeit ist es ganz neu, und für das Abendland überhaupt insofern, als es sich bisher immer nur andeutungsweise, als Fernproblem, Bahn brach und nicht als ganzes, großes Kernproblem, als das Problem der Probleme, darstellte und geltend machte.
Was kann nun hierfür die Medizin tun? Ich behaupte: das meiste, wenn nicht alles.
IX