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Kultur ist jeder zweite Herzschlag unseres Lebens
Mit dieser Feststellung umriß vor einigen Jahren der leider viel zu früh verstorbene deutsche Arbeiterschriftsteller Hans Marchwitza die Bedeutung der Kultur unter sozialistischen Verhältnissen. Der Schriftsteller bezog sich dabei weder auf die Künstler und Kulturschaffenden allein noch auf den speziellen Bereich ihrer geistigen beziehungsweise künstlerischen Tätigkeit.
Die marxistische Philosophie versteht ja unter dem Begriff Kultur den gesamten Prozeß der Vervollkommnung und Veredlung des Menschen und des menschlichen Daseins überhaupt. Eben diesen Prozeß, der in den vergangenen 20 Jahren auf dem Gebiet der Deutschen Demokratischen Republik eine für Deutschland völlig neue Qualität erreichte und durch die Bezeichnung Kulturrevolution charakterisiert wird, meinte Hans Marchwitza.
Ging es doch in diesen 20 Jahren darum, den Ungeist der zwölf Jahre faschistischer Barbarei mit der Wurzel auszurotten und statt dessen den Geist des Friedens und des Humanismus in die Hirne und Herzen zu pflanzen. Aufgerufen, an dieser wahrhaft menschlichen Aufgabe mit ihren speziellen Mitteln mitzuwirken, veränderte sich im Tätigsein auch das Denken und Fühlen der Künstler und Kulturschaffenden, änderten sich auch die Produkte ihrer geistigen und künstlerischen Tätigkeit. Die
Haltung des Unverstandenseins und der Resignation, in die sich diejenigen Künstler und Kulturschaffenden durch die spätbürgerliche Gesellschaft gedrängt sahen, die sich nicht progressiven Klassen und Schichten anschlössen, und die in der Maxime „l'art pour l'art" gipfelte, verlor unter sozialistischen Verhältnissen ihren Nährboden.
„Adieu Elfenbeinturm" nannte bezeichnenderweise der Berliner Maler Bert Heller ein Bild, das ihn selbst an der Staffelei sitzend inmitten werktätiger Menschen zeigt. Der Weg aus dem Elfenbeinturm der Einsamkeit, des Unverstandenseins, den die Künstler und Kulturschaffenden der Deutschen Demokratischen Republik in diesen zwanzig Jahren gingen, war nicht frei von Unebenheiten, Umwegen und Mühsal. Nicht in Stunden oder Tagen setzte sich die Erkenntnis durch, daß die Forderung, auch die geistige und künstlerische Kultur müsse zum Eigentum des ganzen Volkes werden, nicht gleichbedeutend sei mit einer Vermassung und Nivellierung der Kunst, sondern ein gegenseitiges Lernen und Befruchten zwischen Künstler und Kulturschaffenden einerseits und Volksmassen andererseits voraussetze. Im Verlauf dieser Entwicklung wurde irgendwo bei einer Begegnung zwischen Künstlern und Werktätigen die Formulierung geprägt „Kunst ist kein Kaviar fürs Volk" - womit nichts ande-
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