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Andreas Vesalius - De humani corporis fabrica [antikvár]
 
Das Titelblatt der 1555er zweiten Ausgabe, das jenem der 1543 veröffentlichten Erstausgabe gegenüber einige geringfügige Änderungen aufweist. Die Darstellung einer zeitgenössischen anatomischen Vorführung, d. h. einer »Anatomie«, wie man sie damals kurz nannte. In Wirklichiceit fanden solche Anatomien in einfachen Bretterbuden statt, die hier aus repräsentativen Erwägungen durch eine imposante Renaissance-Säulenhalle ersetzt werden. Die amphitheatralisch angeordneten Silzreihen und Stehplätze verbürgen gute Sicht auf den in der...
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Das Titelblatt der 1555er zweiten Ausgabe, das jenem der 1543 veröffentlichten Erstausgabe gegenüber einige geringfügige Änderungen aufweist. Die Darstellung einer zeitgenössischen anatomischen Vorführung, d. h. einer »Anatomie«, wie man sie damals kurz nannte. In Wirklichiceit fanden solche Anatomien in einfachen Bretterbuden statt, die hier aus repräsentativen Erwägungen durch eine imposante Renaissance-Säulenhalle ersetzt werden. Die amphitheatralisch angeordneten Silzreihen und Stehplätze verbürgen gute Sicht auf den in der Mitte stehenden Seziertisch. Neben der geöffneten Leiche demonstriert Vesalius das Präparieren im Kreis seiner Schüler. Am Kopfende des Toten das zusammengefügte Skelett, im Vordergrund Badergehilfen beim Messerschleifen, während andere Gehilfen Versuchstiere herbeischleppen. Die drei Wiesel im Wappen serweisen auf Wesel (in der Grafschaß Cleve), von der wo ursprünglich Witing oder Willing heissende Familie stammte. (Wesel ist die flämische Lesart von Wiesel.) Nach der damals allgemein verbreiteten Sitte latinisierte der Gelehrte seinen Kamen nach dem Ursprungsort Wesel auf Vesalius. — Die bildliche Gestaltung des Titelblattes ist schon auf eine eindeutig feststellbare, bewusste kompositioneile Absicht zurückzuführen. In der Veranschaulichung des von einer grossen ^ahl seiner Schäler und Anhänger umgebenen, bereits zu hohem Anseilen, Ruhm und Volkstümlichkeit gelangten Meisters spielen künstlerische Erwägungen nur eine untergeordnete Rolle. Typischen Renaissancecharakter verleihen dem Bild der in eine antike Säulenhalle verlegte Schauplatz und die harmonisch sinnfällige Veranschaulichung des von Wissbegier erfüllten, weltlich gekleideten Publikums. Wahrscheinlich wurde das Titelblatt nach einer Zeichnung des (1564 verstorbenen) J. Caloar angeferügt. Die Anregung zu den hier mit individuellem Geslallungs- und Unterscheidungsvermögen gezeichneten rund achtzig Figuren halte der Künstler offenbar aus Michelangelos damals vielbesprochenem und allbekanntem »Jüngsten Gericht« mit seinem monumentalen Menschengewimmel geschöpft. Das prächtige Titelblatt kann auch ab selbständiges Kunstwerk bestehen. Die Hörer und Zuschauer sind hier nicht nur Staffage zur Ergänzung und besseren Hervorhebung des im Mittelpunkt des Geschehens vor der geöffneten Leiche stehenden Vesalius, vielmehr ausdrucksvolle, zu Eigenleben beseelte Figuren, in deren Gesichtern sich alle vom dargestellten Ereignis ausgelösten Empfindungen spiegeln, von der Verblüffung bis zum angespannten Interesse, von der zu staunendem Entzücken gesteigerten Bewunderung bis zur gläubigen Selbsleinkehr. Eindrucksvoll weiss der Künstler dieser weitgespannten Skala der Gefühle glaubhaften Ausdruck zu verleihen. Vesalius selbst ist auf diesem Bild eine Persönlichkeit gesetzteren Alters und von stattlicherer Erscheinung als auf seinem aus dem Jahre 154s stammenden Porträt, das in diesen Band ebenfalls aufgenommen wurde. Sein Geburtsjahr wird einmal mit 1514, ein andersmal mit 1515 angegeben, was manche darauf zurückführen, dass er am Silvester- oder Neujahrstag geboren wurde. Sein Vater war Hofapotheker Kaiser Karls V., den er auf mehreren Feldzügen begleitete. Über Vesalius' Brüsseler Jugendjahre und seine Löwener Studienzeit besitzen wir nur spärliche Angaben, doch erwähnt er selbst, dass er sich schon als Kind für die Anatomie zu interessieren begann. Nähere Kenntnisse über den Aufbau des menschlichen Körpers suchte er während seiner Studienjahre aus den scholastischen Schriften des Albertus Magnus und des Michael Scotus zu schöpfen. Th. Zwinger berichtet in seinem 1571 veröffentlichten Buch, der junge Vesalius habe zur nicht geringen Bestürzung und Entrüstung seiner Lehrer und Mitschülcr Mäuse, Maulwürfe, Ratten und zuweilen auch Hunde und Katzen seziert. Vesalius studierte weiter Medizin in Paris zwischen 1533 und 1536. Dort wirkte zu jener Zeit Jacobus Sylvitis an der Spitze jener fortschrittlichen Bewegung, die sich zum Ziel setzte, die Ärztewissenschaft aus ihrer mittelalterlichen Rückständigkeit zu befreien und ihr erneutes Ansehen zu verleihen, was sich damals allerdings darauf beschränkte, die Werke, in denen Galenus die medizinischen Kenntnisse des Altertums zusammengefasst hatte, von den mittlerweile an sie geknüpften verworrenen Vorstellungen zu säubern, wobei aber die Lehren des Galenus auch weiterhin als unfehlbare höhere Offenbarungen galten. Obwohl der Unterricht und vor allem die praktische Anwendung der Anatomie zu jener Zeit in Paris noch auf sehr niedriger Stufe stand, erkannte Vesalius vermutlich schon damals die zwischen den Lehren des Galenus und der Wirklichkeit klaffenden Widersprüche. Er dürfte sich bereits in jenen Jahren darüber klar geworden sein, dass er in seinen ärztlichen Studien auf seine eigenen Beobachtungen angewiesen sei und sich auf das klassische Schrifttum nicht verlassen könne. 1536 finden wir Vesalius wieder daheim, wo er mit der Obduktion eines an Vergiftung verstorbenen Mädchens betraut wird und wo er sich auf etwas ungewöhnliche Art, indem er nachts auf der Richtstätte einen Galgen erklettert und die Wachsamkeit der Torwächter überlistet, eines nahezu unversehrten menschlichen Skeletts bemächtigt. Mit der wohlwollenden Unterstützung der Löwener Behörden werden Ende 1536 oder Anfang 1537 für die Universitätshörer öffenthche Autopsien veranstaltet, die Vesalius eigenhändig vornimmt und die er selbst erläutert. Dank seinen früheren Arbeiten, die sich zwar noch nicht mit Anatomie beschäftigen, aber von seiner grossen Beschlagenheit in der klassischen medizinischen Wissenschaft zeugen, geniesst Vesalius zu jener Zeit in engeren Kreisen schon einen guten Ruf. 1537 begibt er sich nach Venedig, wo ihm günstigere Gelegenheiten zur anatomischen Praxis offenstehen. Die Annahme liegt nahe, dass er hier mit Tizians Schüler, seinem Landsmann Jan Ste-phanus Calcar zusammenkam, der sein Hauptwerk - zumindest teilweise - später illustrieren wird. Nach Beendigung seiner medizinischen Studien begibt sich Vesalius Ende 1537 nach Padua, wo er nach Erlangung der Doktorwürde, als Professor der Chirurgie und Anatomie zugelassen wurde. Er war damals 23 Jahre alt. Von 1537 bis 1542 wirkte er meist in Padua, sich darum bemühend, einen regelmässigen, mit Obduktionen verbundenen anatomischen Unterricht ins Leben zu rufen. Er brach mit dem früher allgemein übhchen Verfahren, die Leichensektionen nahezu ausschliesslich den Badern zu überlassen, nahm alle Einzelheiten der Präparation selber vor und gestattete bestenfalls den beflisseneren Schülern eine tätige Mithilfe. Bezeichnend für das Ansehen, das Vesalius schon in weiteren Kreisen genoss, ist die wahrscheinlich in den Jahren 1539 und 1540 zweimal an ihn ergangene Berufung an die Universität von Bologna zur wissenschaftlichen Vorführung anatomischer Autopsien. Jede dieser sog. »Anatomien« beanspruchte zwei-drei Wochen. Bei der ersten Gelegenheit standen die Leichname dreier Männer zur Verfügung, und schon hier machte er seine Hörer auf die wesentlichen Abweichungen zwischen den ga- 15

Termékadatok

Cím: De humani corporis fabrica [antikvár]
Szerző: Andreas Vesalius , Dr. Szentágothai János Dr. Timár László
Kiadó: Magyar Helikon
Kötés: Vászon
Méret: 240 mm x 330 mm
Andreas Vesalius művei
Dr. Szentágothai János művei
Dr. Timár László művei
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