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VORBEMERKUN
Geprägte Form, die lebend sich entwickelt", nichts anderes bedeutet in diesem Rahmen Demokratie. Jenseits von Gut und Böse gestellt und auf die Macht der Tatsachen pochend, empfiehlt sich ihre Problematik unter Ausschluß aller fruchtlosen Rechtfertigung oder Kritik der beobachtenden Beschreibung und analytischen Auseinandersetzung. Diese kann nicht ohne einen Normalbegriff der Volksherrschaft sein, an dem die einzuordnenden konkreten Formen von Demokratie mit ihrem parlamentarischen Oberbau und ihren zugleich begriffswandelnden Veränderungen zu messen sind und dem die aus der Beobachtung gewonnenen politischen Erfahrungssätze, auf denen sich die heutigen Demokratien aufbauen, gegenübergestellt werden können.
Wenn hierzu die bemerkenswertesten Erfahrungen heutiger Demokratie in ihren wichtigsten Beziehungen herangetragen werden, so liegt es nur zu nahe, die Darstellung nach Möglichkeit an die heimatlichen Formen der Volksherrschaft anzulehnen. Nicht etwa, weil deutsche Demokratie die vollkommenste ist, auch nicht so sehr, weil sie uns am nächsten berührt und am zugänglichsten ist, was nicht immer von Vorteil sein muß, sondern hauptsächlich deshalb, weil an den Mustern der Heimat sehr bezeichnende Entwicklungstendenzen der Gegenwartsdemokratie am deutlichsten ablesbar sind. Dies gilt nicht an letzter Stelle von der parlamentarischen Parteiendemokratie des neuen Österreich, die eine kaum übertreffliche Ausprägung dieser Art sowie ihres vollen Funktionslebens nebst den verschiedensten Nebeneinflüssen vorstellt und, wo es nötig wird, die Erfahrungen anderer Länder manchmal ergänzen oder ersetzen kann. Denn, um mit demselben Dichter zu schließen, ist der einzelne immer zugleich der allgemeine Fall. Darauf gründet sich auch die Gewähr, daß die Darstellung nicht am Schicksal der deutschen Demokratie haften bleibt, sondern, wie der Verfasser hofft, regelmäßig zu weiteren Ausblicken zurückfindet und in das Allgemeine mündet.
Wien, 19.Januar 1928. Der Verfasser.