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Hans-Peter Krüger - Demokratischer Umbruch in Osteuropa [antikvár]

Demokratischer Umbruch in Osteuropa [antikvár]

Hans-Peter Krüger, Sigrid Meuschel, Wolfgang Engler

 
Einleitung »Am Grunde der Moldau wandern die Steine / Es liegen drei Kaiser begraben zu Prag / Das Große bleibt groß nicht und klein nicht das Kleine / die Nacht hat zwölf Stunden / dann kommt schon der Tag.« Die Semantik dieser bewegenden, auf die unstillbare Dialektik von Herrschaft und Befreiung bezogenen Verse von Bertolt Brecht verschiebt sich, je nachdem, ob man sie auf 1945, auf 1968 oder auf 1989 bezieht. Im heißen Winter 1989/90 bewegten sich die Steine auf dem Grunde der Moldau freilich in einer Heftigkeit, daß sie jeden...
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Einleitung »Am Grunde der Moldau wandern die Steine / Es liegen drei Kaiser begraben zu Prag / Das Große bleibt groß nicht und klein nicht das Kleine / die Nacht hat zwölf Stunden / dann kommt schon der Tag.« Die Semantik dieser bewegenden, auf die unstillbare Dialektik von Herrschaft und Befreiung bezogenen Verse von Bertolt Brecht verschiebt sich, je nachdem, ob man sie auf 1945, auf 1968 oder auf 1989 bezieht. Im heißen Winter 1989/90 bewegten sich die Steine auf dem Grunde der Moldau freilich in einer Heftigkeit, daß sie jeden Versuch einer vorläufig bilanzierenden Einschätzung unter sich begruben. Was gestern noch gesicherte Erkenntnis schien, war heute schon nicht mehr wahr. Die Dynamik der Ereignisse in Osteuropa vollzog sich in einer historischen Logik exponentieller Beschleunigung: hat es in Polen, alle Rückschläge eingerechnet, noch zehn Jahre gedauert, bis der »real existierende Sozialismus« abdankte, brauchten die Ungarn nur noch zehn Monate, die DDR nur noch zehn Wochen und die CSSR nur noch zehn Tage; das Regime von Ceaucescu fiel in nur wenigen Stunden. Inzwischen freilich, ein halbes Jahr danach, hat sich die Dynamik verlangsamt und werden erste Kristallisationen deutlich. Eine Rückkehr zum Status quo ante scheint völlig unwahrscheinlich, was immer auch in der Sowjetunion geschehen mag. Der früher sogenannte »Ostblock« mit der ihn kennzeichnenden Hegemonialmacht der Sowjetunion, der beschränkten Souveränität ihrer Bündnispartner, dem Machtmonopol der Kommunistischen Partei, der Ideokratie über die öffentliche Sphäre und der bürokratischen Planwirtschaft hat die Bühne der Geschichte offenbar endgültig verlassen. In allen Ländern Osteuropas haben inzwischen freie Wahlen stattgefunden. Der Übergang der Macht an nichtkommunistische Kräfte ist - mit Ausnahme Rumäniens und dem Zwischenzustand Bulgariens - vollzogen. In der DDR, in Polen, in Ungarn und in der CSFR sind bürgerlich konservative Regierungen gewählt worden, die marktwirtschaftliche Reformen in Gang gebracht haben. Es ist diese historische Zwischenlage, diese Situation eines - um mit Cornelius Castoriadis zu sprechen - noch kaum abgekühlten Magmas, das die Machart der die hier über diese vier Länder zu-

Termékadatok

Cím: Demokratischer Umbruch in Osteuropa [antikvár]
Szerző: Hans-Peter Krüger , Sigrid Meuschel Wolfgang Engler
Kiadó: Suhrkamp Verlag
Kötés: Ragasztott papírkötés
Méret: 110 mm x 180 mm
Hans-Peter Krüger művei
Sigrid Meuschel művei
Wolfgang Engler művei
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