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VORWORT DES HERAUSGEBERS
Memoiren im Sinne anderer Völker sind in Deutschland selten. Goethes „Dichtung und Wahrheit", Bismarcks „Gedanken und Erinnerungen" gehören der Weltliteratur an, sind aber keine Memoiren. Die „Denkwürdigkeiten" des Fürsten Bülow, die nunmehr nach dem Heimgang des Verfassers der ÖflFentlichkeit übergeben werden, sind von ihm, der die Memoirenliteratur Frankreichs und Englands beherrschte, als Memoiren im eigentlichen Sinne des Wortes gedacht. Sie bringen nur Selbsterlebtes, Selbstgehandeltes. Nur Vorkommnisse und Personen, mit welchen den Verfasser sein langes und erfolgreiches Leben in Berührung gebracht hat, werden behandelt. Philosophische und historische Betrachtungen finden sich nur da, wo sie an den eigenen Lebensinhalt anknüpfen. Der Verfasser, sein Handeln und Erinnern steht im Mittelpunkt des Werkes.
Der Subjektivismus, von dem die „Denkwürdigkeiten" des Fürsten getragen sind, strebt vor allem und über alles hinweg nach absoluter Richtigkeit der Darstellung, nach Gerechtigkeit imd Objektivität des Urteils über Menschen und Geschehnisse. Seinem innersten Wesen entsprechend war er bemüht, kein Wort zu schreiben, keine Urteile zu fällen, keine Handlung zu bewerten, ohne von der Richtigkeit des Gesagten überzeugt zu sein. So sehr wünschte Fürst Bülow seinen „Denkwürdigkeiten" den Stempel der Wahrheit imd Gerechtigkeit aufzudrücken, daß er allem Drängen seiner politischen Freunde und Verehrer zum Trotz zähe auf dem einmal gefaßten Beschluß beharrte, seine Memoiren erst nach seinem Tode veröffentlichen zu lassen. In diesem Verzicht auf augenblicklichen Erfolg, in dieser Zurückstellung jedweden materiellen Interesses erblickte er die einzige sichere Bürgschaft für die von ihm erstrebte Unabhängigkeit seines Urteils. Er wollte schreiben, wie er dachte, die Menschen beurteilen, wie er sie sah, gleichgültig, ob es sich um Souveräne oder diplomatische Kollegen handelte. Er wollte nicht durch Rücksichten persönlicher Art, gegen wen immer es sei, gebimden sein. Die Welt, in die das Leben ihn gestellt, das Wirkungsfeld, das Gott ihm anvertraut hatte, es sollte sich den späteren Geschlechtern so darstellen, wie er es sich von hoher Warte in seinen Gedanken zurechtgelegt und ausgebaut hatte. Rein in seinem Gewissen, in voller Unabhängigkeit seiner Gesinnung, woUte er es der Nach-