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Heinrich Fraenkel - Der 20. Juli [antikvár]
 
VORWORT von Wolf Graf von Baudissin z wanzig Jahre sind seit dem 20. Juli 1944 vergangen. Sie haben uns Jkein unbefangenes Verhältnis zu diesem Tage finden lassen. Heute wie damals sind die Gefühle gespalten und widersprüchlich. Das ist kein Zufall, sondern Ausdrude einer weithin mangelnden Beziehung zum Widerstand im Dritten Reich schlechthin. Freilidi, man hört Festreden an und fühlt sich dabei fast wie ein mutiger Bekenner. Man verteidigt die Attentäter in wohlgesetzten Worten; man bescheinigt ihnen auch, daß sie —...
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VORWORT von Wolf Graf von Baudissin z wanzig Jahre sind seit dem 20. Juli 1944 vergangen. Sie haben uns Jkein unbefangenes Verhältnis zu diesem Tage finden lassen. Heute wie damals sind die Gefühle gespalten und widersprüchlich. Das ist kein Zufall, sondern Ausdrude einer weithin mangelnden Beziehung zum Widerstand im Dritten Reich schlechthin. Freilidi, man hört Festreden an und fühlt sich dabei fast wie ein mutiger Bekenner. Man verteidigt die Attentäter in wohlgesetzten Worten; man bescheinigt ihnen auch, daß sie — zumindest subjektiv — im Recht waren. Aber man spricht auch von »Verrat an der kämpfenden Truppe« oder ereifert sich in vordergründiger Kritik etwa darüber, warum Graf Stauffenberg »nicht mit der Pistole geschossen« oder »sidi selbst geopfert« habe. Kurz: man entzieht sich auf breiter Front dem mahnenden Anruf derer, die in Deutschlands dunkelsten Tagen durch ihren Widerstand gegen ein unmenschliches System Leib, Leben und Ehre wagten. Diese Haltung ist weder verwunderlich nodi Grund zum Verzweifeln. Der Nationalsozialismus war gewiß nicht die einzige in Deutsdiland mögliche Entwicklung nadi dem ersten Weltkrieg, aber audi keine zufällige. Eine Vielzahl gesdiiditlich bedingter Geisteshaltungen und Weltanschauungen unfreiheitlicher Prägung hatten den Boden für ein solches System aufnahmebereit — zumindest für den Krisenfall seinen Verlockungen und Drohungen gegenüber anfällig und wehrlos gemadit. In Jahrhunderten hatten sich Traditionen entwidcelt und eingewurzelt, denen Widersetzlidi-keit gegen jede Art von Obrigkeit fern lag, ja verbrecherisdi erscheinen mußte; sie lassen sich nicht von heute auf morgen aufheben. Ihr beharrendes Moment widerstand selbst dergleichen Katastrophen, wie wir sie zwischen Maditergreifung und bedingungsloser Kapitulation erlebten, und es bedarf der Zeit, um sie zu revidieren und sich freiheitlichen Traditionen zu verpflichten. Diese Neubesinnung halte idi allerdings für einen Prozeß von schicksalhafter Bedeutung; denn erst gemeinsam anerkannte Überlieferung schafft allgemeinverbindliche Wertvorstellungen; erst sie gibt dem einzelnen Verläßlichkeit, Maß und Halt in einer unüberschaubar gewordenen Welt. Wo Traditionen den Maßstab für »anständig« und »unanständig« setzen, durdiwirken sie den Alltag und sind gerade dort mächtig, wohin Gesetz und

Termékadatok

Cím: Der 20. Juli [antikvár]
Szerző: Heinrich Fraenkel Roger Manvell
Kiadó: Verlag Ullstein GmbH
Kötés: Vászon
Méret: 150 mm x 230 mm
Heinrich Fraenkel művei
Roger Manvell művei
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