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Prolog
Die alltäglichen Geräusche waren am unerträglichsten. Die albernen Dialoge, die aus dem Fernsehzimmer auf den Flur drangen, das Gelächter und die Unterhaltungen über Modeneuheiten und Sportergebnisse, die aus dem Schwesternzimmer zu hören waren. Irgendwie war es fast unanständig, wie sorglos und unbeschwert die Menschen weiterlebten, während nur wenige Meter entfernt über Leben und Tod entschieden wurde. Sie hatte schon früher ähnliche Situationen erlebt, hatte am Bett von Freunden und Arbeitskollegen gewacht. Aber diesmal war alles anders, diesmal ging es um Jim - ihren einzigen Verwandten, ihren einzigen Bruder. Er war erst neunzehn Jahre alt und hatte noch sein ganzes Leben vor sich.
Sie war blaß, und ihre schmale Gestalt wirkte sehr verloren, wie sie dort, eng in einen Regenmantel gewik-kelt, in einem der Sessel saß, die den Rauchern vorbehalten waren. Die Polsterbezüge waren schäbig und abgenutzt, und die herumliegenden Zeitschriften stammten aus dem letzten Jahr. Sie war ganz allein. Die ganze Zeit über hatte sie sich nicht von der Stelle gerührt, hatte nur ab und zu eine Zigarette ausgedrückt und sich eine neue angezündet, so daß der Aschenbecher neben ihrem Platz schon fast überquoll. Nachdem sie der Anruf des Krankenhauses aus tiefstem Schlaf gerissen hatte, hatte sie nur schnell nach ihrem Regenmantel und ihrer Handtasche gegriffen und sich nicht die Zeit genommen, sich zurechtzumachen. Ihre kurzen braunen Haare standen in lauter kleinen Büscheln um das bleiche Gesicht, das nichts von ihrer Anspannung verriet. Sie