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VorwortEx Oriente lux lautet ein altes geflügeltes Wort, und wir wissen heute besser denn je, daß dieser Ausspruch zu Recht besteht. Denn wie in diesem Buch dargelegt wird, sind die entscheidenden Erfindungen in der Geschichte der Menschheit auf dem Boden des Alten Orients entstanden: die Domestizierung der wichtigsten Haustiere und die Kultivierung der ersten Nutzpflanzen, aber auch die Schrift, die Mathematik, die Geometrie, die Astronomie und der Kalender sowie, als bedeutende technische Errungenschaft, die schnell drehende Töpferscheibe, um nur die wesentlichen zu nennen.Unter den damaligen Menschen kam wohl den Bewohnern des südlichen Zweistromlandes, den Sumerern, wie sie nach einer geographischen Bezeichnung der Akkader heißen, eine Schlüsselposition zu. Sie waren die Begründer der ersten städtischen Hochkultur zwischen Euphrat und Tigris, im späteren Babylonien, und, wenn uns nicht alles täuscht, ebenso die Erfinder der ersten Schrift, von der sich letztlich auch das griechische und lateinische Alphabet ableiten. Biblia und poinika grammata nannten die Griechen bezeichnenderweise ihre Schriftzeichen, denn sie hatten sie von den Phönikern übernommen, den semitischen Bewohnern der Levante, die mit der Konsonantenschrift eine höhere, abstrakte Form von Buchstaben entwickelt hatten. Den Namen der phönikischen Stadt Byblos verbanden die Griechen auch mit dem Begriff des Beschreibstoffs und Buches. Bis heute werden die semitischen Wörter für Rind und Haus, Alpha-bet, verwendet, um die Reihenfolge der Buchstaben zu bezeichnen.Der Vordere Orient war aber auch die Heimat von drei der vier Weltreligionen, der mosaischen, der christlichen und der islamischen. Natürlich sind wir heute weit davon entfernt, in Babel die Wiege zumindest der ersten beiden Religionen zu sehen, wie es zu Anfang unseres Jahrhunderts im Babel-Bibel-Streit geschehen ist. Immerhin stoßen wir dort schon auf Ansätze zum Monotheismus und aufden Dualismus von Gut und Böse, grundlegende Vorstellungen in allen drei Religionen, die sich als prophetische Religionen von der vierten Weltreligion, dem mythischen Buddhismus, prinzipiell unterscheiden. Der Vordere Orient blieb auch nach dem Ende der altorientalischen Reiche noch lange Zeit tonangebend, nicht nur unter Alexander dem Großen und seinen Nachfolgern, den Diadochen, sondern auch in der Römerzeit - man denke nur an die demütigenden Niederlagen der Römer bei Carrhae/Harran gegen die Arsakiden und Sasaniden -und darüber hinaus unter den Byzantinern und Arabern bis ins 13. Jahrhundert.Ein beredtes Zeugnis der gegenseitigen Berührungen zwischen Orient und Okzident, sei es im Krieg, sei es in Friedenszeiten, ist das berühmte Reiterstandbild Marc Aurels auf dem Kapitolsplatz in Rom, das der Vernichtung nur dadurch entgangen ist, daß es als Darstellung Konstantins galt, des ersten christlichen Kaisers, dessen erhobene linke Hand als segnender Gestus aufgefaßt wurde. Wie neueste Forschungen ergaben, wurde die Herrscherfigur auf ein älteres Pferd aus dem seleukidischen Osten gesetzt, das nach achämenidischer Art geschirrt und aufgezäumt ist. Diesen Hinweis verdankt der Herausgeber einem der Autoren, Herrn Prof. P. Calmeyer.Wir wissen heute, daß der Niedergang der arabischen Kultur nicht nur durch die Mongolen, sondern in gleicher Weise auch, so unglaublich es klingen mag. durch die wichtigste Grundlage menschlicher Existenz im mittleren und südlichen Mesopotamien verursacht wurde: die künstliche Bewässerung. Der Salzgehalt des Grundwassers führte nämlich bei der schnellen Verdunstung zur Versalzung und damit zur Unfruchtbarkeit des Bodens. Erst in den letzten zwanzig Jahren hat man im Irak, von Hilleh bei Babylon bis in die Gegend nördlich von Uruk, damit begonnen, das Salz wieder aus dem Boden zu schwemmen. Das Land konnte dadurch für den Getreideanbau zurückgewonnen werden.