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1/ Die vielen Gesichter des Amazonas
Es ist eine zugleich demütigende und wohltuende Erfahrung, in eine Landschaft vorzudringen, die zu verändern, zu beherrschen, seinen Zwecken zu unterwerfen dem Menschen nicht möglich war.
MARSTON BATES/WINTER NEVER COMES
Am Nachmittag gegen halb vier türmten sich am fahlen Himmel Sturmwolken wie Blöcke aus blaugrauem Eis. Die Mauern aus grüner Vegetation zu beiden Seiten des Flusses wurden düster und abweisend. Wir waren zu dritt in einem kleinen offenen Boot - ich, ein Führer und ein junger Mann - und wollten eine einwöchige Erkundungsfahrt durch das riesige Labyrinth von Flüssen und Wäldern der Amazonas-Region unternehmen. Wir hofften, die Hütte eines einsam lebenden Kautschuksammlers zu erreichen, bevor der Sturm losbrach; während der tuckernde 6-PS-Motor uns stromauf trug, begannen wir, alles Freiliegende mit Segeltuch abzudecken. Unser Führer suchte durch Abkürzungen Zeit zu gewinnen. Die niedrigen Ufer lagen drei bis vier Meter unter Wasser, und so konnten wir, wie er uns erklärte, eine ganze Reihe von Flußbiegungen abschneiden, solange es hell genug war, indem wir zwischen den Bäumen hindurchfuhren: Das gefährlichste Unterholz lag tief unter unserem Kiel. Das taten wir zweimal, während mehrere Donnerschläge rings um uns herum die Blätter von den Bäumen schüttelten. Aber dann senkten sich die Wolken so tief, daß wir kaum zehn Meter weit sehen konnten, und wir mußten ins offene Wasser zurückkehren.
Es konnte nur noch Sekunden dauern, bis der Regen kam. Ich wünschte ihn herbei - wenn auch nur aus dem Grunde, daß ein Gewitter schneller aufhört, wenn es erst einmal begonnen hat. Wir drosselten den Motor auf halbe Kraft. Blitze zerrissen den kalten, schiefergrauen Himmel; sie fuhren senkrecht herab, ohne ihre charakteristische Zickzackform. Als die ersten Tropfen wie riesige