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Vorwort }
Erinnern und Schreiben, das ist identisch. Im Prinzip. Und woraus bestünde dieses, wenn nicht in dem fragwürdigen Vorgang von Selektion, Verdrängung, Bewertung, Urteil, der seine Gegenstände verfärbt und verändert — manchmal bis zur Unkenntlichkeit. Trotz aller Mühe: Objektivität steht nicht in unserer Macht. Wir sind keine Speichergeräte. Unser aufnehmendes Auge erweist sich bereits beim Aufnehmen als partiell blind, zumindest als kurz- oder weitsichtig: ungewollt nehmen wir manches einfach nicht wahr oder nur bestimmte Dinge, deren Analogien in unserem Bewußtsein oder auch Unterbewußtsein schon vorrangig vorhanden sind, vergleichbar den Kenntnissen des Frühgeschichtlers, der sehr wohl bearbeitete Steine von nur natürlich zerfallenen unterscheiden kann und die der Fachunkundige übersähe. Ein weit umherreisender Oberförster kehrte mit einem anderen Bild von der Welt heim als ein Architekt, ein Schauspieler, ein Genetiker. Dem Schriftsteller ergeht es nicht anders; ihm, der einen empfänglichen Sinn für alles Formale entwickelt hat, schließen sich divergente und isolierte Momente zu Einheitlichkeit und Sinnaussage zusammen. Dann pflegt man von „höherer Wahrheit" zu sprechen. Das Stückwerk der Realität wird im Schreiben zu einer Vollkommenheit und Bedeutung erst zusammengefügt (einem allgemeinmenschlichen Kausalbedürfnis entsprechend), wodurch über längere Epochen hinweg der Eindruck zu entstehen pflegt, die Wirklichkeit enthalte die gleiche Mechanik, wie sie auch in der Literatur erscheint; selbst bei einer rationalen Einsicht in den unaufhebbaren Dualismus von Kunst
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