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Alekszander Szolzsenyicin - Der Archipel Gulag I. [antikvár]
 
Prologlm Jahre 1949 etwa fiel uns, einigen Freunden, eine bemerkenswerte Notiz aus der Zeitschrift Die Natúr, herausgegeben von der Akademie der Wissenschaften, in die Hande. Da stand in kleinen Lettem geschrie-ben, man habe bei Ausgrabungen am Flufi Kolyma eine unterirdische Eislinse freigelegt, einen gefrorenen Urstrom, und darin ebenfalls ein-gefrorene Exemplare einer urzeitlichen (einige Jahrzehntausende zu-rückliegenden) Fauna. Ob's Fische waren oder Tritonén: der gelehrte Korrespondent bezeugte, sie seien so frisch gewesen, daS die...
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Prologlm Jahre 1949 etwa fiel uns, einigen Freunden, eine bemerkenswerte Notiz aus der Zeitschrift Die Natúr, herausgegeben von der Akademie der Wissenschaften, in die Hande. Da stand in kleinen Lettem geschrie-ben, man habe bei Ausgrabungen am Flufi Kolyma eine unterirdische Eislinse freigelegt, einen gefrorenen Urstrom, und darin ebenfalls ein-gefrorene Exemplare einer urzeitlichen (einige Jahrzehntausende zu-rückliegenden) Fauna. Ob's Fische waren oder Tritonén: der gelehrte Korrespondent bezeugte, sie seien so frisch gewesen, daS die Anwesen-den, sobald das Eis entfernt war, die Tiere mit genuss verspeisten.Die keineswegs zahlreichen Leser der Zeitschrift waren wohl nicht wenig verwundert zu erfahren, wie lange Fischfleisch im Eis seine Fri-sche zu bewahren imstande ist. Doch nur einzelne vermochten den wah-ren, den monumentalen Sinn der unbesonnenen Notiz zu erfassen.Wir begriffen ihn sofort. Wir sahen das Bild klar und in allén Details vor uns: Wie die Anwesenden mit verbissener Eile auf das Eis einhack-ten; wie sie, alle hehren Interessen der Ichthyologie mit Füfien tretend, einander stoSend und vorwártsdrangend, das tausend Jahre alte Fleisch in Stücke schlugen, diese zum Feuer schleppten, auftauen liefíen und sich daran sáttigten.Wir begriffen es, weil wir selbst zu jenen Anwesenden gehörten, zu jenem auf Érden einzigartigen machtigen Stamm der Seki, der Strafge-fangenen, der Lagerhaftlinge, die alléin es zustande brachten, einen Triton mit genuss zu verspeisen.Kolyma aber war die gröfite und berühmteste Insel, ein Grausam-keitspol in diesem sonderbaren Land GULAG, das die Geographie in Inseln zerrissen, die Psychologie aber zu einem festen Kontinent zu-sammengehámmert hat, jenem fast unsichtbaren, fast unspürbaren Land, welches besiedelt ist von besagtem Volk der Seki.Das Inselland ist eingesprenkelt in ein anderes, das Mutterland; kreuz und quer durchsetzt es seine Landschaft, bohrt sich in seine Stad-te, überschattet seine StraEen und trotzdem habén manche nichts ge-ahnt, viele nur vage etwas gehört, blofi die Dortgewesenen alles gewuíit.Doch als ob sie auf den Inseln des Archipels die Sprache verloren hátten, hüllten sie sich in Schweigen.

Termékadatok

Cím: Der Archipel Gulag I. [antikvár]
Szerző: Alekszander Szolzsenyicin Alexander Solschenizyn
Kiadó: Scherz
Kötés: Ragasztott papírkötés
Méret: 140 mm x 220 mm
Alekszander Szolzsenyicin művei
Alexander Solschenizyn művei
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