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Einleitung
Franz Grillparzer
Auf drastische Art brachte Gottfried Keller das Leben Grillparzers auf den Punkt, als er ihm einen »gewissen Leichtsinn« absprach - einen Leichtsinn, »weicher Mangel den Mann von Jugend auf so ängstlich an der heimatlichen Bureaukarriere kleben und ihn nie frisch und frei in die Welt ausseglen ließ. Hätte er sich der Fremde anvertraut, so hätte sie ihn zu dem Ihrigen gemacht und der Heimat als einen gemachten Mann zurückgegeben. Wer aber unter Heimatliebe nur die Zuhaushockerei versteht, wird der Heimat nie froh werden, und sie wird ihm leicht nur zu einem Sauerkrautfaß.«
Der Heimat ist Grillparzer nie froh geworden. Heimat - das war für ihn die Habsburg-Monarchie unter Metternich, unter deren Zensur er zu leiden hatte, deren Bigotterie und Unterdrückung liberaler, demokratischer Tendenzen in ihm die Sehnsucht wachhielten nach der Josephinischen Aufklärung, die mit der Französischen Revolution und Restauration zu Grabe getragen wurde. Geradezu symbolisch nimmt sich dabei Grillparzers Geburtsdatum aus: am 15. Januar 1791 wurde er in Wien geboren; es war das Todesjahr Mozarts, die Französische Revolution hatte ihre erste Phase, die Konstituante, gerade abgeschlossen. Doch so schwer auch der politisch-gesellschaftliche Druck der Metternich-Ära auf ihm lastete, ihn abzuschütteln hatte er nie vermocht. Der erste Akt der Unterwerfung geschah 1819; von seiner Romreise brachte er ein Gedicht mit, das auf das in der damaligen Zeit am Kolosseum angebrachte Kreuz anspielte:
Und damit, verhöhnt, zerschlagen. Du den Martertod erwarbst, Mußtest du das Kreuz noch tragen.