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ÍN WIEN ist der Sonntag nach dem Vollmonde im Monat Juli jedes Jahres samt dem darauffolgenden Tage ein eigentliches Volksfest, wenn je ein Fest diesen Namen verdient hat. Das Volk besucht es und gibt es selbst; und wenn Vornehmere dabei erscheinen, so können sie es nur in ihrer Eigenschaft als Glieder des Volks. Da ist keine Möglichkeit der Absonderung; wenigstens vor einigen Jahren noch war keine. An diesem Tage feiert die mit dem Augarten, der Leopoldstadt, dem Práter in ununterbrochener Lustreihe zusammenhángende Brigittenau ihre Kirchweihe. Von Brigittenkirchtag zu Brigittenkirchtag záhlt seine guten Tage das arbeitende Voík. Lange erwartet, erscheint endlich das saturnalische Fest. Da entsteht Aufruhr in der gutmütig ruhigen Stadt. Eine wogende Menge erfülít die Strafien. Geráusch von Fufitritten, Gemurmel von Sprechenden, das hie und da ein lauter Ausruf durchzuckt. Der Unterschied der Standé ist verschwunden; Bürger und Sóidat teilt die Bewegung. An den Torén der Stadt wáchst der Drang. Ge~ nommen,verlorenundwiedergenommen,istendlichderAusgang erkámpft. Aber die Donaubriicke bietet neue Schwierigkeiten. Auch hier siegreich, ziehen endlich zwei Ströme, die alte Donau und die geschwollnere Woge des Volks, sich kreuzend quer unter- und übereinander, die Donau ihrem altén Flufibette nach, der Strom des Volkes, der Eindámmung der Brücke entnommen, ein weiter, tosender See, sich ergiefiend in alles deckender Überschwemmung. Ein neu Iiinzugekommener f ánde die Zeichen bedenklich. Es ist aber der Aufruhr der Freude, die Losgebundenheit der Lust.