Bővebb ismertető
I Die Phasen des Fortschritts
Heute ist es modern, von einer Entwertung europäischer Geschichte zu sprechen, als ob ihr die Historiker in der Vergangenheit zu große Beachtung geschenkt hätten — und als ob wir ihr heutzutage weniger Aufmerksamkeit erweisen sollten. Studenten in den Anfangssemestern, wie immer von den wechselnden journalistischen Moden verführt, fordern die Einführung eines Lehrfachs Geschichte Schwarz-Afrikas. Vielleicht wird es in Zukunft eine afrikanische Geschichte geben. Gegenwärtig jedoch gibt es keine oder nur eine äußerst begrenzte: die Geschichte der Europäer in Afrika. Der Rest liegt weithin im Dunkel, genau wie die europäische Frühgeschichte oder die Geschichte Amerikas vor Kolumbus. Und Unbekanntes ist nicht Gegenstand der Geschichtsschreibung.
Man soll mich hier nicht mißverstehen. Ich leugne nicht, daß auch in unbekannten Ländern und finsteren Jahrhunderten Menschen lebten oder daß sie ein politisches Leben und eine Kultur besaßen, die für Soziologen und Anthropologen interessant wären; ich glaube jedoch, daß Geschichte im wesentlichen eine Form der Entwicklung, und zwar einer zielgerichteten Entwicklung ist. Sie ist nicht ein bloßes Abbild sich verändernder Gestalten und Gewänder, wechselnder Kriege und Siege, Dynastien und Eroberungen, Gesellschaftsformen und gesellschaftlicher Auflösungsprozesse. Wenn der Geschichtsablauf überall gleichartig ist, wie man heute teilweise annimmt, gibt es keinen vernünftigen Grund, warum wir einen bestimmten Abschnitt davon einem anderen vorziehen sollten; denn alles zu erforschen, ist beim heutigen Stand der Forschung unmöglich. Dann allerdings könnten wir unsere eigene Geschichte wirklich vernachlässigen und uns über das für uns recht unwichtige Tun und Treiben wilder Stämme in einem malerischen.