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Ingrid Möller - Der Bauer in der Kunst [antikvár]

Der Bauer in der Kunst [antikvár]

Ingrid Möller

 
Ein ungarisches Márchen erzáhlt, wie der Mensch zum ersten Mai eine Handvoll Wildgraskörner in die Erde steckt mit der Absicht, Getreide zu züchten. Dieser hier symbolisch auf einen Moment konzentrierte Akt kommt in seiner Bedeutung für die Menschheitsentwicklung der erstmaligen Anwendung des Feuers gleich! Denn keines-wegs fallen die Anfánge des Ackerbaus zeitlich zusammen mit den Anfángen der Mensch-heitsgeschichte - wie es das biblische Sinnbild des hackenden, grabenden oder pflü-genden Adam uns vorstellt. Die archáologischen...
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Ein ungarisches Márchen erzáhlt, wie der Mensch zum ersten Mai eine Handvoll Wildgraskörner in die Erde steckt mit der Absicht, Getreide zu züchten. Dieser hier symbolisch auf einen Moment konzentrierte Akt kommt in seiner Bedeutung für die Menschheitsentwicklung der erstmaligen Anwendung des Feuers gleich! Denn keines-wegs fallen die Anfánge des Ackerbaus zeitlich zusammen mit den Anfángen der Mensch-heitsgeschichte - wie es das biblische Sinnbild des hackenden, grabenden oder pflü-genden Adam uns vorstellt. Die archáologischen Funde beweisen, dafi die Menschheit sich viele Hunderttausende von Jahren nicht anders als durch Jagd, Fischfang und gesammelte Wildfrüchte ernáhrte. Erst relatív spát - in der Jungsteinzeit - vollzog sich der Übergang zu Ackerbau und Viehzucht in einem langwierigen Prozefi, der Jahr-tausende dauerte. Nun wurde die SeGhaftigkeit möglich und damit eine höhere Stufe der materiellen und kulturellen Produktion erklommen. Nach dem heutigen Stand der Forschung wird angenommen, daG sich die frühesten Ackerbaukulturen in den geographisch begünstigten subtropischen Gebieten des Orients entwickelten, im »fruchtbaren Halbmond« Kleinasiens, in Syrien, Palastina, Ágypten und im Iran, und zwar zwischen dem 9. und 6. Jahrtausend v. u. Z. Seitdem alsó gibt es »Bauern«. Bevor wir jedoch dem Bild des arbeitenden Menschen in künstlerischen Áufierungen begegnen, vergehen weitere Jahrtausende. Die frühesten Darstellungen dieser Art lassen sich in das 4. bzw. 3. Jahrtausend datieren - eine Zeit, in der in einigen Gebieten wie Ágypten und Mesopotamien die Urgesellschaft bereits von Sklavenhalterstaaten abge-löst war. Der Boden, dem in schwerer Arbeit der Ertrag abgerungen wurde, gehörte schon nicht mehr denen, die ihn nutzbar gemacht hatten. Die Ackerbauern und Vieh-züchter, die den gesellschaftlichen Reichtum geschaffen hatten, wurden in zunehmendem MaCe von diesem Reichtum ausgeschlossen. Darin liegt der tiefe Widerspruch der Klas-sengesellschaft. Diese beiden Aspekte - der kulturgeschichtliche und der sozialgeschicht-liche - werden gerade bei der Betrachtung der Bauerndarstellung bis in die Gegenwart hinein ihre Bedeutung behalten. Der militárisch ausgerichteten Despotie im Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris entsprach eine Kunst der Machtreprásentation, die im Prinzip nicht darauf bedacht war, das Leben in seiner Vielfalt und in seiner Alltáglichkeit zu umreiGen. Schilderungen wie die Melkerszene aus dem Rinderfries in El Obed werden erst im Zusammenhang mit der Tempelwirtschaft möglich. Als Perlmutteinlage in Stein ist die Materialwirkung für die Gestaltung nutzbar gemacht; hellschimmernd heben sich Tiere und Menschen von der Wand ab. Die Arbeitsverrichtungen sind deutlich zu erkennen: es wird gemolken, Milch abgefüllt und Káse bereitet,

Termékadatok

Cím: Der Bauer in der Kunst [antikvár]
Szerző: Ingrid Möller
Kiadó: VEB E. A. Seemann-Verlag
Kötés: Félvászon
Méret: 200 mm x 210 mm
Ingrid Möller művei
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